Staffel 7 - Episodendiskussion

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Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von Schnurpsischolz » 14.04.2014, 12:40

Diskutiert hier über die Episoden der 7. und finalen Staffel von "Mad Men".

Episodenbeschreibungen zu den Folgen findet ihr hier.
Reviews zur siebten Staffel findet ihr hier.

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philomina
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von philomina » 26.05.2014, 11:46

#7.07

"I don't want to see what happens when it's really gone."

Was für eine Folge! Genauer gesagt: Zwei großartige Folgen hintereinander! Und die #7.07 konnte locker an "Shut the door. Have a seat." anknüpfen. Hatte diverse Male Tränen in den Augen. Bei der Mondlandung. Bei Peggys Präsentation. Bei der Nachricht von Berts Tod und dem Umgang der Figuren damit. Bei Dons Appell an Ted. Und - natürlich - bei diesem unfassbar anbetungswürdigen Abgang von Bert mit der Musicalnummer. Dazwischen all diese phantastischen Charaktermomente und spannenden Situationen wie Dons Abstimmung und Rogers Handeln.

Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Serie während der letzten Ausstrahlungspausen nicht mehr vermisst habe wie in den ersten Jahren, so sind es doch solche Episoden, die mich vor der Aussage des oben zitierten Zitats Dons bangen lassen.

Bryan Cranston wieder in anderen (Serien-)Rollen zu sehen, ist schon eine Sache, bei Jon Hamm wird es mir noch viel schwerer fallen.
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von Celinaaa » 19.05.2015, 14:14

Wie fandet ihr das Serienfinale? :)

Ich muss ja leider zugeben, dass ich mich durch die letzten beiden Staffeln phasenweise ein wenig durchquälen musste. Aber dennoch fand ich das Serienfinale großteils gelungen. :up:

Richtig begeistert hat mich Joan, die ihre eigene Firma gegründet und sich von ihrem Freund getrennt hat. Noch genialer hätte ich es mit Peggy an ihrer Seite gefunden, aber ich fand es dann doch auch nachvollziehbar und verständlich, dass diese sich dann doch dafür entschieden hat sich weiterhin bei "McCann Erickson" beweisen zu wollen.
Dass man Peggy dann wiederum noch schnell mit Stan zusammenbringen musste war zwar einerseites nachvollziehbar, da beide im Laufe der Jahre doch viel Zeit miteinander verbracht haben, ich hätte sie jedoch lieber als Frau gesehen, die keinen Mann für ihr Glück braucht.

Pete als Neureicher mit Frau und Tochter gönne ich ihm und fand ich auch gut. :up:

Roger und Marie passen für mich auch zusammen, obwohl es da generell vielleicht noch ein wenig Aufarbeitung geben hätte sollen, warum gerade sie nun die Frau ist, für die er sich entschieden hat, nachdem er die letzten Jahre hindurch doch immer wieder Probleme damit hatte eine Frau zu halten.

Don... ja Don... hat er denn nun den Coca Cola-Werbespot gemacht? Meiner Ansicht nach JA, aber soweit ich das mitbekommen habe, dürften hier die Meinung im WWW auseinander gehen.

Sally an der Seite ihrer Mutter zu sehen war wirklich so ein kleines Highlight für mich. Dicht gefolgt vom Telefonat zwischen Sally und Don, als Sally ihn in die aktuelle Situation um Betty einweiht und diese mit ihrem Vater wie mit einem "Gleichgesinnten" spricht und beweist, dass sie nun erwachsen geworden ist und Verantwortung übernehmen kann.
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von philomina » 21.05.2015, 13:01

Ein Serienfinale am Telefon... so wird es mir vermutlich in Erinnerung bleiben bzw. vielmehr denke ich, dass Dons und Peggys Tanz zu "My way" mir als Finale in Erinnerung bleiben wird, denn irgendwo rund um diesen Zeitpunkt endete "Mad Men" für mich.

Dass man auf die letzten 7 oder 8 Episoden ein Jahr warten musste, hat für mich nicht funktioniert. Diese Episoden hätte ich gerne letztes Jahr gesehen. Ich hatte sie mir nun aufgehoben, um sie mit dem Finale am Stück zu schauen, um irgendwie noch eine gewisse Art von Sog herzustellen, aber es hat nur mäßig geklappt.

Gut gefallen hat mir:
- Peggy findet Liebe neben dem beruflichen Erfolg
- Joan macht sich selbständig
- Sally wird erwachsen
- Bettys Weinen am Telefon
- Pete und Trudy

Nicht gefallen hat mir:
- Don wird für die letzten Episoden von allen anderen abgetrennt
- alle wichtigen Gespräche im Finale finden am Telefon statt
- Gastfiguren haben viel Screentime

Die Punkte auf der ersten Liste wiegen jedoch die Punkte auf der zweiten für mich nicht auf. Die vorletzte Episode hätte für mich für ebenso als Finale dienen können.

EDIT: Gerade sehe ich, was ich oben vor einem Jahr geschrieben habe:
"I don't want to see what happens when it's really gone."

Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Serie während der letzten Ausstrahlungspausen nicht mehr vermisst habe wie in den ersten Jahren, so sind es doch solche Episoden, die mich vor der Aussage des oben zitierten Zitats Dons bangen lassen.
Tja, der Abschied ist nun doch nicht schwergefallen. Vergleiche ich das Serienfinale hier mit dem von "Justified" vor ein paar Wochen, so hat das "Justified"-Finale für mich die Sache viel besser abgerundet.
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von Celinaaa » 21.05.2015, 13:13

philomina hat geschrieben:Gut gefallen hat mir:
- Peggy findet Liebe neben dem beruflichen Erfolg
Der bessere Abschluss für Peggy wäre - zumindest für mich - gewesen, als sie in der vorletzten (oder vorvorletzten?) Folge mit Sonnenbrille, Kippe im Mund und ihren Sachen im Umzugskarton ihr neues Büro bei McCann Erickson bezogen hat. Das hätte für mich fast besser gepasst.

Diese Szene hatte mich auch sofort an die mit Betty erinnert, als sie mit Schrotflinte und ebenfalls Kippe im Mund auf Tauben geschossen hat. 8-)
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von philomina » 21.05.2015, 13:19

Celinaaa hat geschrieben:Der bessere Abschluss für Peggy wäre - zumindest für mich - gewesen, als sie in der vorletzten (oder vorvorletzten?) Folge mit Sonnenbrille, Kippe im Mund und ihren Sachen im Umzugskarton ihr neues Büro bei McCann Erickson bezogen hat. Das hätte für mich fast besser gepasst.
Ja, das war die Szene in der vorletzten Episode, die für mich auch hinsichtlich der meisten Figuren als Finale funktioniert hätte.
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von Celinaaa » 21.05.2015, 15:46

philomina hat geschrieben:Ja, das war die Szene in der vorletzten Episode, die für mich auch hinsichtlich der meisten Figuren als Finale funktioniert hätte.
Irgendwo habe ich erst kürzlich gelesen, dass die Idee, aus Peggy und Stan ein Paar zu machen, gar nicht von Weiner war, sondern er selbst auch erst davon überzeugt werden musste.
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Re: Staffel 7 - Episodendiskussion

Beitrag von Lin@ » 21.05.2015, 20:48

philomina hat geschrieben:
Celinaaa hat geschrieben:Der bessere Abschluss für Peggy wäre - zumindest für mich - gewesen, als sie in der vorletzten (oder vorvorletzten?) Folge mit Sonnenbrille, Kippe im Mund und ihren Sachen im Umzugskarton ihr neues Büro bei McCann Erickson bezogen hat. Das hätte für mich fast besser gepasst.
Ja, das war die Szene in der vorletzten Episode, die für mich auch hinsichtlich der meisten Figuren als Finale funktioniert hätte.
War die davor, in der vorletzten kam Peggy gar nicht vor.
Und ja, das war natürlich ein starker Abgang, aber ich persönlich hätte ihren Abschied von Pete, ihr Treffen mit Joan, ihr Telefonat mit Don und vor allem ihre längst überfällige Erleuchtung bezüglich Stan nicht missen wollen. Vor allem weil sie sich so lange Zeit immer nur durch ihre Arbeit definiert hatte, wo sie doch auch als Mensch und Freundin unheimlich viel zu bieten (und auch noch zu erleben) hat. Das war doch damals gerade das Problem für so viele Frauen, dass es immer hieß, man müsste auf eine Karriere verzichten, wenn man einen Mann und eine Familie haben wollte. Und Peggy hat den Umkehrschluss (also dass man auf privates Glück verzichten muss, wenn man als Frau beruflich etwas erreichen will) so sehr verinnerlicht, so sie überhaupt nicht gemerkt hat, dass der "Richtige" für sie, der sie gerade auch für ihr Talent und ihre Ambitionen liebt, die ganze Zeit vor ihrer Nase saß. §-)
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Folge 1 Time Zones

Beitrag von Zarina » 17.07.2017, 18:13

Es geht wieder los! Ich schaue die 7. Staffel ja nun zum allerersten Mal und hatte etwas die Befürchtung, dass mir die final season nicht gefallen könnte und ich mir damit die gute Meinung zur Serie insgesamt versauen könnte. Was man halt so denkt...
Nach der ersten Folge glaube ich aber, dass diese Befürchtung sicherlich unbegründet sein wird, denn diese erste Episode hat mich völlig überzeugt und zieht mich sofort wieder hinein in den Mad Men Sog.

Hier meine Gedanken:
- Top-Eröffnungsszene mit Freddie Rumsen. Ich war - ähnlich wie Peggy - sehr überrascht von seiner brillianten Performance und hätte ihm nach seinem Absturz in den ersten Staffeln niemals zugetraut, dass er sich noch einmal dermaßen fängt und zu so fesselnden Formulierungen in der Lage ist. Am Ende erfährt man ja dann auch, dass die Idee gar nicht von Freddie selbst stammt, sondern dass Don hier seine Finger im Spiel hat. Das hätte ich mir ja eigentlich auch denken können. Bin gespannt, was Dons Ziel ist und wie weit er damit kommen wird.
- Hammer-Soundtrack. Die erste Szene mit Don und Megan am Flughafen und als Kontrast dazu die letzte Szene von Don allein auf dem Balkon wirkten zusammen mit der Musik dermaßen stark... Schon allein für diese beiden Szenen liebe ich die Folge. :heart:
- Was geht denn da mit Roger ab?! Puh, das muss doch jetzt echt nicht sein. Und Margret erscheint selbst in ihrer "Vergebung" nur unangenehm gönnerhaft. Klingt, als habe sie Anschluss in der Hippie-Bewegung gefunden? Mal schauen, wie das weitergeht.
- Man erfährt diesmal gleich genau, zu welchem Zeitpunkt die Story spielt: Januar 1969. Bin gespannt, ob auch diesmal die Staffel etwas ein ganzes Jahr umspannt. Dann hätte die Serie ein ganzes Jahrzehnt umfasst.
- Ich hatte nicht erwartet, die beiden Charaktere Ted und Megan in dieser Staffel überhaupt wiederzusehen. Dass Megan und Don es offenbar versuchen, sich wieder anzunähern ehrt sie zwar, allerdings ist der endgültige Bruch wohl weiter nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Auffällig jedenfalls, wie sich Megan Don körperlich entzieht und Don permanent bevormundet, damit er sich in IHREM Haus benimmt wie sie sich das vorstellt.
- Interessante Flugzeugszene mit Neve Campbell als junger Witwe. Sie unterhalten sich über die tödliche Krankheit ihres Mannes, über die man allerdings nur erfährt, dass er ständig Durst gehabt habe. Ich tippe auf eine Nierenerkrankung, man kann es natürlich auch überinterpretieren und eine Verbindung zu Don und seiner Alkoholsucht ziehen. Die schnelle Vertrautheit zwischen ihr und Don war ja regelrecht verdächtig, zumal sie ja auch genau Dons Trigger getroffen hat (Disneyland!). Irgendwie erschien sie nicht wie eine reale Person, sondern eine gute Fee, die Don erdet und mit der er reden kann.
- Ken ist ja mal ungewohnt hektisch, offenbar überarbeitet. Joan bekommt das ganz schön ab und glänzt dann wieder einmal dabei, wie sie den Etat womöglich rettet. Aber was hat sie mit diesem Professor Podolski (!) zu tun? Das habe ich nicht verstanden.
- Peggy tat mir am Ende leid, wie sie in ihrer Wohnung allein weinend zusammenbricht. Sie hat es ja wirklich nicht leicht: Ein neuer Kreativdirektor, der ihre Arbeit nicht schätzt, nervige Mieter, ein schmerzliches Wiedersehen mit Ted... Sehr traurig, dass die Folge direkt für beide Hauptcharaktere (Peggy und Don) in so einer deprimierenden Situation enden musste. Auch wenn man bei Peggy am Ende der sechsten Staffel und bei Don zu Beginn dieser Folge dachte, dass beide ihren Weg wieder selbstbewusst gehen, ist da leider noch einiges im Argen ;-(
- Pete sah ja mal dermaßen sch.. aus! Argh, schmieriger ging es wohl nicht? Ich will wieder schicke Anzüge sehen, keine peinlichen Polohemden und Golfhosen! :motz: In Kalifornien scheint es ihm ja wirklich gut zu gefallen. Ich frage mich, ob und wie man ihn wieder nach New York holt. Denn eine ständige Splittung der Handlungsorte an zwei verschiedenen Enden der USA kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

Humorhighlights:
- Joan beweist mal wieder: Frauen können nicht fangen und werfen. :schaem:
- Petes Vorliebe für New Yorker Bagels :tounge:

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Folge 2 Ein Arbeitstag

Beitrag von Zarina » 18.07.2017, 19:44

Valentinstag 1969.
- Peggy benimmt sich daneben und macht sich vor Ted völlig zum Brot. Statt mal einen Gang runterzuschalten, lässt sie ihre Sekretärin Shirley austauschen. Gut für die Zuschauer, denn die neue Konstellation Dawn und Peggy ist äußerst vielversprechend.
- Dawn selbst ist wieder mal grundsympathisch. Sie verhält sich Don gegenüber trotz seiner Suspendierung loyal und versorgt ihn mit Informationen über die Vorgänge in der Agentur (was gegenüber der Agentur natürlich gar nicht loyal ist, aber mal ehrlich: Wenn man für den fiesen Lou Avery arbeiten muss, kann man doch nur bei der großen Don-Zurückhol-Konspiration mitmachen, oder?) Sie sagt Lou Avery die Meinung und landet deswegen erst am Empfang und dann bei Peggy.
- Überhaupt sind die mehrmaligen Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen ein Augenschmaus. Zumal auch endlich Joans Wert gewürdigt wird (überraschenderweise von Jim Cutler) und sie endlich aus dem vermaledeiten Durchgangszimmer herauskommt und zur Kundenbetreuerin (die sie ja unter der Hand längst ist) aufsteigt. Interessant wird, ob sich dadurch ein geschäftliches Konkurrenzverhältnis zu Roger aufbauen wird. Fänd ich aber schade, ich mag es, wie freundlich die beiden miteinander momentan umgehen (wunderschöner gelber Blumenstrauß!). :heart_eyes:
- Jim Cutler scheint allgemein viele Strippen zu ziehen und dabei andere Partner kalkuliert zu übergehen bzw. zu übertrumpfen. Wenn das mal nicht eskaliert...
- Bert Cooper erweist sich als Rassist :ohwell:
- Highlight wie so oft ist auch diesmal das Zusammenspiel zwischen Sally (In ihrem Internat sind leider offenbar noch mehr Oberzicken als Mandy und Millicent) und Don. Wie sie ihn erst als Lügner beschuldigt und seine Rührung, nachdem sie ihm zum Abschied doch sagt, dass sie ihn lieb hat (wahrscheinlich das erste Mal seit Ewigkeiten) sind einfach nur anrührend.
Auch wieder einmal toll geschauspielert, wie Don sich windet, seiner Tochter gegenüber endlich ehrlicher zu sein (darüber, dass er freigestellt wurde), dann aber doch merkt, dass er nicht die volle Wahrheit sagen kann (über seine Vergangenheit)

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Folge 3 Field Trip

Beitrag von Zarina » 19.07.2017, 17:13

Traurige Folge, die mich etwas deprimiert zurücklässt. Der einzige kleine fröhliche Moment, an den ich mich erinnere, war Ken, der Don auf seine typische unverfälschte fröhliche Art begrüßt, ihm davon erzählt, dass er Vater eines kleinen Jungen (Eddie) ist und sogar eine Referenz an die erste Staffel bringt (Karussell).

Ansonsten ist da viel Schmerz. Ein kraftloser Don, der erst seine Frau anbettelt, es weiter mit ihm zu versuchen und dann als Bittsteller in die Agentur zurückkommt, wo niemand auf ihn wartet. Besonders grausam fand ich Peggys Reaktion, die Don nicht einmal begrüßte, sondern sich in ihr Büro zurückzog und Don erst Stunden später gegenübertrat, als es sozusagen nicht mehr anders ging (sie kann sich ja nicht ewig in ihrem Büro einschließen). Eigentlich müsste sie sich doch freuen, Don wiederzusehen, der sie stets gefördert (und gefordert) hat, während sie bei ihrem neuen Chef Lou Avery permanent gegen Wände läuft. Stattdessen wirkt sie nahezu feindselig Don gegenüber.

Roger muss man einerseits zugutehalten, dass er sich für Don einsetzt, andererseits tut er das auf seine typisch unüberlegte Art, indem er niemanden auf Dons Ankunft vorbereitet und dieser sich komplett unerwünscht fühlen darf. Selbst Joan ist der Meinung, dass es ohne Don besser läuft. Am Ende bekommt Don ein Angebot von den Partnern, voller demütigender Bedingungen (inklusive des Büros, in dem Lane Price sich erhängt hat), vielleicht mit dem Hintergedanken, dass er dieses ausschlagen wird und sich endgültig verabschiedet. Aber Don nimmt an...

Ein großartiger Cliffhanger. Ich bin sehr gespannt, wie es in der nächsten Folge weitergeht, wobei man natürlich damit rechnen darf, dass es ordentlich knallen wird besonders mit Blick auf Avery und Cutler.

Besonders traurig und nachdenklich macht mich auch die Betty-Storyline. Nachdem Betty sich mit ihrer Freundin Francine getroffen hat, die mittlerweile 3 Tage die Woche berufstätig ist, und sie den typischen "Hausfrau vs. berufstätige Mutter"-Dialog geführt haben, erinnert sich Betty wohl später noch daran, dass sie dabei etwas darüber gesagt hat, dass man als Frau doch Sinn und Glück im Leben darin finden sollte, sich um seine Kinder zu kümmern. Und beschließt, ihr Vorzeige-Mutter-Konto mal wieder aufzufüllen und etwas Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Spontan erklärt sie sich bereit, Bobby zu einem Schulausflug zu begleiten. Dort ist auch eigentlich alles in Butter, aber Betty hält die Rolle der liebevollen Mutter nicht lange durch und macht ein Riesendrama daraus, als Bobby einen kleinen Fehler macht, indem er ihr Sandwich an eine Klassenkameradin verschenkt, die selbst kein Brot dabei hat.
Das ist grausam mitanzuschauen, denn Betty interpretiert diese kleine unüberlegte Handlung dahingehend, dass Bobby sie nicht liebt und "den ganzen Tag ruiniert hat".
Dabei sieht man in der ganzen Folge genau das Gegenteil: Wie sehr sich Bobby freut, dass Betty ihn begleitet, wie stolz er auf seine Mutter ist und das auch gegenüber seinen Kameraden offen zeigt. Und dass er am Ende ein schlechtes Gewissen hat, weil er auch denkt, dass es seine Schuld ist, dass der Tag versaut ist. Das war höchstwahrscheinlich der letzte Schulausflug, an dem Betty teilnehmen wird...

Selbst zu Hause aß Betty demonstrativ nichts, um Bobby zu bestrafen, was die Assoziation einer Essstörung hervorrief, zumal Bobby ja auch erwähnt, dass Betty schon einmal über längere Zeit "nichts gegessen" hat. Es deutet darauf hin, dass Betty ihre momentan wieder perfekte Figur deswegen hält, weil sie sich eine knallharte Diät verordnet hat und sich auch weiterhin extrem beim Essen zügelt. Dass man wütend wird, weil man Hunger hat, kann ich ja sehr gut nachvollziehen, dem Kind aber vorzuhalten, dass es ein Brot an ein anderes (vermutlich armes) Kind verschenkt hat und das Nichtessen als Bestrafung dem eigenen Sohn gegenüber einzusetzen, ist ja schon wirklich krank.

Ebenfalls sehr schmerzhaft dann die Szene im Schlafzimmer, als Betty davon redet, dass ihre Kinder sie nicht lieb haben, während ihr jüngster Sohn sich schlafend an sie kuschelt und auf Henrys Hinweis darauf nur sagt, dass es ja nur eine Frage der Zeit sei, bevor auch Gene sich ihr entziehe. Arme Kinder, sie haben keine Chance. Bettys Verbitterung ist wie eine Mauer, sie kann die schönen Momente mit ihren Kindern nicht schätzen und sie sieht diese nur als Ausnahme, die die Regel bestätigt. ;-(

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Folge 4 The Monolith

Beitrag von Zarina » 06.08.2017, 23:12

Passender Episodentitel. Der Monolith ist selbstverständlich der Schrank von einem Computer, der von Cutler und Harry mit Begeisterung, vom Rest der Mitarbeiter mit großem Misstrauen empfangen wird. Andererseits passt die Bezeichnung Monolith hier auch eindeutig auf Don Draper himself, der innerhalb der Agentur völlig isoliert auf einsamen Posten kämpft.

Heutzutage würde man die klassische Mobbing-Situation, in der Don sich befindet, natürlich in Sekundenschnelle als solche identifizieren: Er kriegt ein Büro und feste Vorgaben zu seinen „Arbeitszeiten“, bekommt aber wochenlang keine Aufgaben zugeteilt. Offenbar hat man vor, ihn zu zermürben, damit er irgendwann freiwillig das Handtuch wirft.

Aber selbst, als er die Chance bekommt, wieder kreativ tätig zu werden, schafft es Don nicht, diese zu ergreifen, sondern zickt erst mal rum. :roll: Peggy als Vorgesetzte vor die Nase gesetzt zu bekommen, das kann er gar nicht verknusen und sucht wieder mal ein Ventil bei seinem Freund dem Schnaps. Sowohl Peggy als auch Don machen sich Gedanken darüber, welche hinterhältige Falle sich die Partner wohl dabei gedacht haben und dass sie beide wohl die Akquise nur machen sollen um fulminant auf die Nase zu fliegen. Es ist aber wohl vielmehr so, wie Joan es ausdrückt, dass sich die Partner gar nichts Großartiges dabei gedacht haben. Vielmehr war es bemerkenswerterweise Pete, der Dons Namen für den Auftrag wieder in den Ring geworfen hat und dies sicherlich nicht um Don zu schaden, sondern um wieder von dessen Können zu profitieren. Pete will schließlich diesen Auftrag.

Don steht sich als letztlich wieder einmal vor allem selbst im Weg und ich konnte nur über mich selbst den Kopf schütteln, weil ich in der letzten Folge doch tatsächlich die Erwartung hatte, dass Don sich diesmal am Riemen reißt, die unverhoffte Chance nicht versaut und sich an die Vereinbarungen hält.
Zum Glück las ihm zum Schluss der großartige Freddie Rumsen die Leviten und so sehen wir in der letzten Einstellung zum Glück einen Don, der sich endlich wieder an die Schreibmaschine setzt und seinen Job macht. :up: Schön. Ich hoffe, dass dies anhält und in der nächsten Folge nicht direkt der nächste Rückfall droht.

Was mich hoffen lässt, ist das kleine Mets-Banner, was einst Lane Pryce gehörte und das Don, nachdem er es zunächst wegwerfen wollte, doch wieder im Büro aufhängt. Zu oft ist es in dieser Folge zu sehen, als dass dem kein Symbolwert zukommen würde. Ich kenne mich mit Baseball nicht gerade aus, jedoch genügt ein kurzer Blick in Wikipedia, um herauszufinden, dass die Mets sich ausgerechnet im Jahr 1969 in der öffentlichen Meinung von einer Gurkentruppe zu absoluten Siegertypen wandelten, da sie in diesem Jahr überraschend die World Series gewannen, was wohl eine Riesensensation gewesen sein muss. Demzufolge hoffe ich, dass auch Don seinen Tiefpunkt überwinden wird.

Überhaupt ist die Folge recht symbollastig. Vor allem die Verknüpfung des Gesprächs zwischen Don und dem Computerfuzzi Lloyd (?) darüber, dass ein Computer in Sekundenschnelle mehr Sterne zählen könne als ein Mensch in seinem Leben (inklusive Dons treffender Bemerkung, dass es beim Sternezählen wohl kaum um reine Zahlen und Daten geht) und die spätere Szene mit Roger und Margret, die gemeinsam den Sternenhimmel beobachten, fiel mir (positiv) auf.
Nicht recht verstanden habe ich allerdings Don, der betrunken den Computermenschen, mit dem er sich zwischenzeitlich ganz gut verstanden hatte, ziemlich rüde angeht. Hat er diesen indirekt als Teufel bezeichnet oder nicht? :wtf: Es kommt mir schon so vor, vor allem, weil Lloyd zuvor ja recht blasphemisch darüber philosophiert, dass die Erfindung von Computern etwas mit Unendlichkeit und der Durchbrechung des Unmöglichen und damit von Gottes Vorsehung zu tun habe. Aber dass (der unreligiöse) Don dann ausgerechnet an ihm seinen Frust ablässt, auch wobei sicher unterschwellige Zukunftsangst und Technikfeindlichkeit eine Rolle spielen, wirkt doch etwas kleingeistig, zumal Lloyd ja eigentlich genau die Art von Selfmade-Mann mit Ambitionen und Visionen verkörpert, mit dem Don sich sonst identifiziert. So recht konnte ich die Szene also nicht einordnen, vielleicht habe ich sie aber wirklich falsch verstanden...

Die zweite Storyline betrifft Roger Sterling und seine Familie. Wie sich im letzten Gespräch mit Margret ja schon angedeutet hat, ist sie unter die Hippies gegangen und hat dafür Mann und Kind verlassen. Roger und Mona fahren daher (nachdem der Ehemann erfolglos war) zu der Kommune, um Margret – bzw. Marigold, wie sie sich jetzt nennt – zur Rückkehr zu bewegen. Mona lässt sich schnell provozieren und streicht die Segel, Roger dagegen lässt sich darauf ein, einen Abend in der Kommune zu verbringen und sich Margrets neue Lebenswelt zeigen zu lassen.
Mir hat der Handlungsstrang ausgesprochen gut gefallen, vor allem auch das Zusammenspiel von Margret und Roger, bei denen man hier erstmals wirklich starke Ähnlichkeiten entdeckt hat. Überhaupt konnte ich zunächst kaum glauben, dass diese Frau tatsächlich die stets mürrische, verbiesterte Margret sein sollte, denn so fröhlich und gelöst hat man sie nie zuvor gesehen.
Leider kommt die ganze Verbitterung schon am nächsten Morgen wieder ans Licht. Margret wird im Herzen wohl kein Blumenkind mehr werden, die Oberfläche zerbricht schnell. Nachdem Roger mitbekommen hat, wie Margret nachts zu einem männlichen Kommunenmitglied gegangen ist, ist für ihn eine Grenze überschritten und es ist mit seinem Verständnis vorbei. Er zeigt sich entsprechend kalt und bestimmt und verlangt von Margret nun, dass sie ohne weitere Diskussion zu ihrer Familie zurückkehrt. Daraufhin ist von der angeblichen Vergebung nichts mehr zu erkennen und Margret wirft Roger – wie gewohnt – vor, an ihrer unglücklichen Kindheit schuld zu sein. Dass sie daraus, dass Roger als Vater nicht präsent war, jedoch für sich selbst eine Ausrede bastelt, dass sie selbst ihr Kind verlassen könne, entsetzt mich sehr und zeigt mir, dass Margret sehr egoistisch und kindisch ist, da sie offenbar noch immer nicht bereit ist, Verantwortung für ihr eigenes Leben und die Ihren zu übernehmen. Sie macht es sich wieder mal sehr einfach, indem sie Roger zum Buhmann erklärt. So endet der zuvor so schöne, vielversprechende Handlungsstrang sehr traurig, Roger und Margret landen buchstäblich im Dreck und Roger muss sich traurig und allein zu Fuß auf den Heimweg machen.

Mein persönliches Highlight war diesmal übrigens Rogers Sekretärin Caroline, die mit Rogers Enkel Ellery im Büro spielt und sich dabei auch freiwillig zum Brot macht. Ich finde es wirklich schön, dass Roger so eine liebenswerte, herzenswarme und unverfälschte Frau als Sekretärin bekommen hat und glaube, dass ihm das gut tut. Die beiden sind jedenfalls ein gutes Team, wie man immer wieder sehen kann.

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Folge 5 The Runaways

Beitrag von Zarina » 08.08.2017, 21:59

Oh Gott, Ginsberg!!!! NEEEEEEIIIIN!!!

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Folge 6 "The Strategy"

Beitrag von Zarina » 16.08.2017, 12:21

Eine Episode rund ums Thema Familie in den unterschiedlichsten Konstellationen, wobei auffällt, dass die „klassische“ Familie (etwa in Gestalt von Betty und Henry mit den Kindern, wobei auch diese ja nicht der „klassischen“ Konstellation entsprechen würden) in der Folge überhaupt nicht vorkommt.

Don und Megan, die zerbrechende Familie:
Megan besucht Don in New York und sie machen sich gegenseitig vor, happy zu sein. Trotzdem spürt man permanent die Distanz zwischen ihnen, eine Vorsicht, bloß nichts Falsches zu sagen und dann ein ernstes Gespräch führen zu müssen. Offenheit und Nähe, wie sie später zwischen Don und Peggy zu spüren ist, kann so natürlich nicht existieren. Don und Megan führen mittlerweile getrennte Leben, man wird ständig von der Serie mit der Nase darauf gestoßen, wenn die Sekretärin zum Beispiel in Megans Beisein sagt, dass sie gar nicht wusste, dass Don verheiratet ist, oder, klar, wenn Megan nach und nach sämtliche Haushaltsgegenstände mit nach Kalifornien nimmt. Man sieht hier offenbar die letzten Tage dieser Ehe. Don versucht zwar einerseits, die Beziehung noch festzuhalten, wenn er Pläne für die nächste Reise nach Kalifornien schmiedet, andererseits hat er längst resigniert und ist einsam.
In dem so offenen Dialog mit Peggy ist er mit seinem Leben unzufrieden, weil er „nichts erschaffen hat und niemanden hat“. Megan (oder seine Kinder) fällt ihm in diesem Moment offenbar nicht ein.

Joan und Bob: Eine Familie gründen aus Vernunft?
Bob macht Joan einen Heiratsantrag. Er möchte bei seinem neuen Job als seriöser Familienvater auftreten und damit seine Homosexualität besser verstecken. Joan und Bob sind gute Freunde, Bob wäre ein toller Ersatzpapa für Kevin, sie könnten reisen und wären finanziell abgesichert. Doch Joan sagt nein, denn sie hat den Glauben an die wahre Liebe nicht verloren.
Sie hat offenbar aus ihrer Ehe mit Greg und der Oberflächlichkeit ihres schönen Scheins (Jung! Gutaussehend! Arzt!) gelernt und hieraus die richtigen Schlüsse gezogen. Es geht ihr nicht mehr darum, einen gewissen Status zu erreichen, sondern sie will Liebe und Romantik in ihrem Leben. Ich finde Joan in dieser Folge sehr sympathisch. Mad Men ist ja dafür verschrien, dass sämtliche Figuren ziemlich lockere Moralvorstellungen haben würden. Joan ist hier ein Gegenbeispiel, die die eigenen Wertvorstellungen vertritt und eben nicht den „einfachen“ Weg geht.

Pete „Du bist nicht länger Teil dieser Familie“ Campbell:
Tja, was soll man dazu sagen. In dieser Folge wird ein klarer Kontrast gezeigt, wie Kevin seinen „Onkel“ Bob überschwänglich begrüßt, während Tammy extrem schüchtern auf ihren leiblichen Vater Pete reagiert. Dieser sieht entsprechend sein Ego verletzt, zumal ihm Trudy ebenfalls aus dem Weg geht und
mit anderen Männern ausgeht. Fies, die Bierflasche im Kuchen (Was sollte das? Subtil das Revier markiert?).
Mit Bonnie läuft es denn auch nicht so toll, denn Pete wartet lieber auf Trudy, um ihr betrunken eine Szene zu machen, als den Abend mit Bonnie zu verbringen. Und seine Tochter darf Bonnie auch nicht kennenlernen. Enttäuscht reist Bonnie allein nach Kalifornien zurück.

Peggy, Single:
Peggy ist in dieser Folge mal wieder die einzige, deren Gedanken sich permanent um die Arbeit drehen. Damit nervt sie sowohl Stan als auch Don telefonisch am Wochenende, als diese ihr Privatleben führen wollen.
Peggy kann nicht anders, denn sie bekommt mal wieder in der Agentur ordentlich Gegenwind. Sie kann noch so gut arbeiten, trotzdem bekommt sie nie die Anerkennung die ihr zusteht, weil sie eine Frau ist. Pete z.B. erkennt sie weiterhin nicht als kompetente Kreative an, drängt sie gemeinsam mit Lou Avery dazu, Don die Präsentation übernehmen zu lassen und schreibt ihr unbedarft die Rolle der „Emotionalen“ zu, einfach weil Frauen halt emotional sind. Woraufhin Peggy sofort kontert: „Don ist Emotion, ich bin Autorität!“ Aber aus den alten Rollenmustern kommt ihr Umfeld einfach nicht raus. Nicht mal Don kann sich vorstellen, eine berufstätige Mutter in der Werbung auf positive Art darzustellen, dies wirke doch „traurig“. Peggy reagiert auf die ganzen Zurückweisungen, wie sie immer reagiert (nachdem sie Stan erst mal angezickt hat): Noch mehr in die Arbeit reinknien, noch mehr Ehrgeiz zeigen.
Am Ende musst sie Don aber doch gestehen, dass ihr 30. Geburtstag ihr zusetzt, weil sie immernoch Single ist. Auch Peggy selbst kann noch nicht selbstbewusst über den Erwartungen der Gesellschaft drüberstehen.

Am Ende dann gleich zwei wunderbare Bilder: Don und Peggy tanzen zu „My Way“. Schmacht! Und: Der Kern unserer Mad-Men-Familie bestehend aus Don, Peggy und Pete sitzt gemeinsam beim Burgeressen und wirkt sehr vertraut miteinander. Ganz ganz starkes Ende! :anbet:

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Folge 7 "Waterloo"

Beitrag von Zarina » 23.08.2017, 20:56

Wow, einfach nur Wow! Wenn das mal keine 10 von 10 Punkten-Folge war. Hier hat einfach mal alles gestimmt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Mal schauen:

Ich muss zugeben, dass ich gespoilert war und schon wusste, dass Bert Cooper in der letzten Staffel sterben würde. Als ich das hörte, habe ich mich darüber geärgert. So ein Klischee, nur weil der Charakter alt ist, darf er das Ende der Serie nicht erleben!
Nun habe ich aber die Umsetzung gesehen und bin völlig zufrieden. Zunächst mal darüber, dass Cooper in einem glücklichen Moment sterben durfte. Er hat die Mondlandung beobachtet, diesen Quantensprung der Menschheitsgeschichte und war glücklich. Einen „schöneren“ Tod konnte man sich für ihn nicht vorstellen. Und die Leichtigkeit des abschließenden Tanz- und Gesangsauftritts hat mich restlos begeistert. Das nenne ich mal einen großartigen Abgang und schön, dass man den Schauspieler Robert Morse dadurch so ein tolles Denkmal gesetzt hat. Und schließlich: Coopers Tod passiert nicht einfach sinnlos, sondern löst eine große Veränderung in der Serienhandlung aus.
Sechs Staffeln lang hat man McCann Erikson (und anderen) immer wieder ein Schnippchen geschlagen und nun ist es also doch passiert: Goliath hat David geschluckt. Allerdings ist diese Veränderung selbstgewählt und Roger hat wohl recht: Cutler hätte nicht nach Dons Rauswurf Halt gemacht, sondern die Agentur solange weiter ihrer Persönlichkeit beraubt, bis sie nur noch aus Harry und einem fetten Computer besteht.

Überhaupt Cutler: In spätestens dieser Folge wird er für mich zum Oberschurken der ganzen Serie. Verschickt Kündigungsschreiben im Namen aller Partner unter der Hand, beleidigt Don aufs Gemeinste und nutzt Coopers Tod noch in der selben Nacht, um Don auszubooten. So ein Drecksack. Hat der eigentlich jemals selbst irgendwas Geschäftsförderndes für die Agentur getan? Und bei der Abstimmung (die nur wegen seiner Intrigen überhaupt nötig war) hebt er zuletzt, als er sieht, wie es ausgehen wird, selbst die Hand und stimmt für den Verkauf mit der Begründung, dass es um einen Haufen Kohle geht. Ehrloser geht es ja wohl nicht mehr! angry:

Joan: Joan verstehe ich in dieser Folge nicht. Was genau hat sie gegen Don? Habe ich irgendwas verpasst?
Es wird über sie gesagt, dass sie Don nachträgt, dass er damals verhindert hat, dass die Agentur an die Börse geht und ihr dadurch ein dicker Batzen Geld entgangen ist. Wirklich, daher dieser Hass? Soll das dieselbe Joan sein, die in der Episode zuvor noch Romantik über materielle Sicherheit gestellt hat?
In dieser Folge tritt sie jedenfalls nur als geldgierig auf, was allerdings durchaus comichaft amüsant sind, als sie ebenso wie Pete am Ende die Dollarzeichen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt und die beiden ihre Freude über den Geldsegen durch den Agenturverkauf nicht verbergen können und wollen.

Don: Don darf in dieser Folge mal wieder der gute Held sein. Besonders schön fand ich, dass gezeigt wurde, dass er in der Nacht der Mondlandung an seine Kinder denkt und diese anruft. :heart_eyes:
Und als er glaubt, dass seine Tage in der Agentur gezählt sind, tritt er die Burger-Chef-Präsentation an Peggy ab, damit diese glänzen kann.
Schließlich springt er über seinen Schatten und überzeugt seinen ewigen Konkurrenten Ted zum Bleiben in der Agentur.
Traurig, aber absehbar dann die Trennung von Megan.
Auch hier bleibt Don ruhig und verständnisvoll wie im Rest der Folge. Und nüchtern! :up:

Peggy: Ich bin kein besonderer Peggy-Fan. Ich finde sie sympathisch, auch mit ihren Ecken und Kanten, aber oftmals finde ich ihr Verhalten überzogen oder fehl am Platz. In dieser Folge hat mir Peggy aber außerordentlich gut gefallen und es zeigt sich sehr deutlich die Entwicklung die ihr Charakter im Laufe der Staffeln durchgemacht hat. In der Folge zuvor hat sich Peggy noch vehement gegen die Zuschreibung „Emotion“ gewehrt („Don ist Emotion, ICH bin Autorität“ oder so ähnlich). Hier sehen wir aber, dass sie eben doch „Emotion ist“ und dass ihr dies auch sehr gut steht.
Die Burger Chef-Präsentation meistert sie trotz Lampenfieber mit Bravour. Wie sie den Kunden da auf einer emotionalen Basis abholt und direkt an sein Herz appelliert, das ist etwas, das wir bisher nur von Don kennen.
Noch mehr hat mich die Szene mit Nachbarsjunge Julio beeindruckt, dessen Verbindung zu ihr ja eigentlich daraus bestand, dass er auf ihrer Couch Fernsehen schauen durfte. Als er nun aber sagt, dass er umziehen wird und sie heftig umarmt, muss Peggy wohl selbst erst bemerken, dass sich dieser dicke Junge in ihr Herz geschmuggelt hat. Natürlich sind die Gedanken sofort bei Peggys eigenem Kind, das mittlerweile in Julios Alter sein dürfte, und als sie ihm sagt, dass seine Mama ihn bestimmt lieb hat und aus genau diesem Grund umziehen will, um einen Job zu bekommen und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen, war ich einfach nur gerührt.
Eine Peggy, die den Nachbarsjungen trösten kann und dabei Emotionen zulässt, nein, das wäre vor ein paar Staffeln nicht denkbar gewesen. Aber Peggy ist jetzt weiter, sie kann Gefühle zulassen und hat vielleicht endlich gelernt, dass Vernunft und Gefühl kein Widerspruch sind.

Sally: Ist es nicht unglaublich, wie ähnlich Sally ihrer Mutter Betty in dieser Folge sieht? Unfassbar.
Sally ist Rettungsschwimmerin? Huch, wie kommt denn das. :wtf:
Und alle erwarten, dass sie etwas mit dem gutaussehenden Jungen im Footballtrikot anfängt, dessen zynischen Spruch über die Mondlandung sie ja auch erstmal nachplappert.
Am Ende bekommt aber nicht dieser Junge einen Kuss von ihr, sondern sein nerdiger kleiner Bruder, der ihr die Sterne zeigt (und der ausgerechnet Neil heißt!).
Eine bezaubernde kleine Storyline, die viel Stoff zum Philosophieren liefert. :heart:

Ganz besonders gefallen hat mir an dieser Folge natürlich auch der zeitgeschichtliche Aspekt der Mondlandung, die hier wunderbar eingebunden wurde. Die ganze Welt saß damals gemeinsam vor dem Fernseher und war vollkommen beeindruckt und euphorisiert von diesem Wunder. Dieses Gefühl hat die Episode ganz wunderbar transportiert.

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Folge 8 "Enttäuschung"

Beitrag von Zarina » 29.08.2017, 17:35

Der deutsche Titel "Enttäuschung" passt leider, ich habe diesmal einiges zu meckern.

Etwas überrascht und enttäuscht hat mich, dass zwischen der 7. und 8. Folge offenbar ein gewaltiger Zeitsprung stattgefunden hat. Ich meine, solche Schnauzer wachsen ja wohl nicht über Nacht. Ich wusste ja, dass die siebte Staffel "unterteilt" mit einer relativ langen Pause ausgestrahlt wurde. Aber dass sich dies auf die Handlung auswirkt und wir im Endeffekt zwei Ministaffeln erhalten, ärgert mich.

Auch Dons Entwicklung nervt mich. Anfang der Staffel war er noch zum Hilfstexter und Bittsteller herabgewürdigt und nun strotzt er nur so vor Erfolg und führt plötzlich ein Musikvideo-Leben, wie Hugh Hefner es gerne hätte. Blöd, ich habe mich in die erste Staffel zurückversetzt gefühlt, nur ohne "nervige" Ehefrau... :roll:

Dann der Tod von Rachel Menken (War die nicht zuletzt verheiratet und hieß Rachel Katz? Wo war ihr Ehemann? War sie wieder geschieden?) ... Mir war schon aufgefallen, dass diese Staffel einige Charaktere aus früheren Staffeln noch einmal aufgreift und zeigt, was aus ihnen geworden ist. So wie neulich schon Stephanie. Ich persönlich brauche diese "Gastauftritte" nicht und empfinde sie eher als störend. (Es sei denn, Salvatore und Lois tauchen noch mal auf. Dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil!). Und nun hat man Rachel nur für diese eine Folge wieder aus der Mottenkiste geholt und lässt sie grausam an Leukämie sterben. Ich find`s fuchtbar traurig, vor allem, weil direkt in der Folge zuvor schon ein wichtiger Charakter gestorben ist.

Ansonsten hatte die Folge auch einige schöne Momente:

- Vor allem natürlich Peggy, die ein tolles Date mit einem (leider derzeit arbeitslosen) Rechtsanwalt hat; Ich fand, dass sie und Stevie ein schönes Paar abgeben würden. Und freue mich für Peggy, die in der Serie ja auch schon einige Horrordates hatte, dass sie sich auch mal wieder als begehrenswerte Frau fühlen durfte

- Woran merkt man in der Rachel-Szene, dass es sich um einen Traum von Don handelt? Vielleicht an der Tatsache, dass Ted sich plötzlich in Pete verwandelt.

- starke Antwort von der fremden Kellnerin, als Don ihr erzählt, dass es doch merkwürdig wäre, dass er letzte Woche von Rachel geträumt habe und kurz darauf erfahren hat, dass sie gestorben ist: "Vielleicht haben Sie ja schon immer von ihr geträumt?" Ja, vielleicht war das nicht das erste Mal, dass Don an Rachel gedacht hat in letzter Zeit. Andererseits erinnerte der Traum auch etwas an Dons Vision von Anna Draper in "The Suitcase", also vielleicht doch eine übersinnliche Eingebung?

- die Szene von Peggy und Joan bei den McCann-Typen tat ja schon körperlich weh!!! Wo sind wir denn hier, 1955??? Vielleicht hatte Kenny ja recht mit seiner Meinung über McCann und der Deal war doch eher die Reise vom Regen in die Traufe???
Peggy und Joan sind bemerkenswert ruhig geblieben. Deswegen fand ich es doch ziemlich enttäuschend von Peggy, dass sie Joan hinterher etwas in der Richtung sagt, dass sie "schuld" an dem sexistischen Gehabe der Typen gehabt habe, weil sie sich anders kleide als Peggy. :wtf: So ein Blödsinn. Joan kleidet sich sehr elegant und geschäftsmäßig, sie kann doch nix dafür, dass sie große Brüste hat. Soll sie die wegbinden?

- Joans Shopping-Szene fand ich natürlich herrlich. Echt interessant, wie sie mit ihrem neuen Wohlstand umgeht. Und Oscar-de-la-Renta-Kleider sind wahrscheinlich bessere Geldanlagen als Pete`s ach so anstrengende Vermietungsimmobilien. :up:

- Meredith hat sich doch mittlerweile tatsächlich zu einer guten Sekretärin entwickeln. Ich staune, das hätte ich nicht erwartet. :)

- Don kann mittlerweile launige Anekdoten über Onkel Mac und Tante Abigail erzählen. :o

Ken wird geschasst, steigt in der Firma seines Schwiegervaters ein und kündigt Rache an. Ich find es merkwürdig und frage mich, wieviel Zeit denn nun wirklich zwischen Folge 7 und 8 liegen soll. Einerseits scheint doch einiges an Wasser den Jordan runtergelaufen zu sein, andererseits wird Ken erst jetzt nahegelegt, die Firma zu wechseln. Wenn er für die McCann-Leute eine persona non grata ist, dann hätten die doch sofort darauf bestanden, ihn loszuwerden und nicht erst Monate nach der Übernahme. Ob der Einstieg in die Chemiefirma des Schwiegervaters so eine tolle Alternative ist, bezweifle ich allerdings. Selbst in dieser Folge bezeichnet Ken die Firma seiner Frau gegenüber als eine Art böse Kriegsgewinnler. Ob er da so viel glücklicher wird als bei Sterling Cooper? Aber seinen Schriftsteller-Traum scheint Ken mittlerweile aufgegeben zu haben, auch wenn Cynthia noch daran glaubt. Schade eigentlich. :(

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Folge 9 "Vergessen"

Beitrag von Zarina » 31.08.2017, 20:48

- Sehr schön wieder mal die Sekretärinnen (Meredith und Caroline) und ihr Umgangston gegenüber Don und Roger - wie strenge Mamas gegenüber ihren kleinen Söhnen :D

- Don stalkt die Kellnerin Diana und beginnt eine Affäre mit ihr. Es scheint, dass Diana eine Art alter ego für Don ist. Mit einer Ausnahme: Er kam nach New York um zu vergessen. Diana will nicht vergessen, sie steht zu ihrer Schuld und ihrem verpfuschten Leben. :(

- Starke Szene zwischen Don und Pete im Auto auf dem Weg zum Golfspielen: Einmal Dons ständige Angst wegen Petes miesem Fahrstil. Und dann Pete, der doch nicht recht glücklich wird nach der Scheidung, weil er keine neue Frau findet, mit der er über das Stadium der ersten Verliebtheit hinauskommt. Das ist blöd für Geschäftsessen, meint er, und fragt Don, wen er denn nach seiner Scheidung mitgenommen hat. Die Aussage irritiert mich etwas, denn schließlich kann ich mich an keine einzige Szene erinnern, in der Pete Trudy zu einem Geschäftsessen mitgenommen hat. Obwohl sie ja auf gesellschaftlichem Parkett durchaus zu glänzen versteht, wie wir in der spektakulären Tanz-Folge gesehen haben. Vielleicht ist das einfach der Zahn der Zeit, der an Pete nagt? Jung und knackig konnte er allein zu Geschäftsessen gehen und galt als toller Hecht. Jetzt, in gesetzterem Alter und mit Halbglatze ist es nicht mehr cool, Single zu sein.

- Megan nimmt den Eine-Million-Dollar-Scheck von Don an, warnt ihn aber nicht vor, dass  ihre Mutter sein Appartement leergeräumt hat. Fies.

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Folge 10 "Ausblick"

Beitrag von Zarina » 04.09.2017, 19:57

Don muss eine Rede über die Zukunft der Agentur schreiben, und plötzlich kommt ihm sein Job und sein Leben noch trivialer vor als sonst. Selbst als er den nicht gerade als oberflächlich verschrieenen Ted Chaough fragt, ist dessen größter Traum nur "einen Pharmakonzern als Kunden zu gewinnen". Puh, da lobt man die Serie jahrelang wegen ihrer tiefgründigen, komplexen Charaktere und dann sind es eben doch wieder nur Werbeleute, die den Kommerz zu wichtig nehmen.

Zum Glück kommt Peggy zur Ehrenrettung. Sie hat genaue Vorstellungen davon, welche Art von Karriere sie sich wünscht und sie hat noch echte Visionen. Sie möchte "etwas Bleibendes erschaffen". Don reagiert genauso wie ich auf dem Sofa: "In der Werbung?" Doch trotz aller Ironie, Don ist selbst ein Werbemann und ist gerade selbst auf der Suche nach einem Sinn hinter dem Ganzen, auch wenn er sich zu cool dafür ist, es so klar zu formulieren wie Peggy.

Huch, sexy Glenn!!! :o Ich musste ja wirklich zweimal hinschauen, ebenso wie Betty, die Glenn erst nicht erkennt. Die MILF-Szene mit Betty und Glenn in der Küche hatte zunächst etwas von Fremdschämen, aber am Ende hat sie mich am meisten berührt von allen Szenen der Folge. Glenns Geständnis, dass er zur Army geht nicht aus Patriotismus und Verantwortungsbewusstsein, wie er es gegenüber Sally zunächst behauptet, sondern einfach weil er vom College geflogen ist und seinem Stiefvater nur deshalb wieder unter die Augen zu treten wagt, weil er sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hat, fand ich sehr erschütternd. Es hat mich auch etwas an Don erinnert, der ebenso naiv nach Korea ging, um seiner Familie zu entfliehen und der noch nicht begriffen hatte, was Krieg bedeutet.
Betty ist ebenso geschockt von Glenns Beichte, am Ende kommen ihr die Tränen, wo sie noch Minuten zuvor gesagt hat, dass sie Glenns Entscheidung im Gegensatz zu Sally und seiner Mutter gut findet, weil sie sich keine Sorgen um ihn macht.
Passend fand ich dann auch die letzte Szene von Betty, in der sie ihren Söhnen deren Spielzeugwaffen wegnimmt und in den Müll wirft. Vielleicht hat sie nun auch begriffen, was es bedeuten kann, wenn man kleine Jungs dazu erzieht, Krieg und Soldatentum als Spiel und später als etwas Heroisches zu betrachten. Ja, vielleicht sehen wir hier eine etwas modernere Betty als zuvor.

Joan lernt Richard kennen. Sie verbringen eine wunderbare Zeit gemeinsam, doch alles wird getrübt, als Joan Richard sagt, dass sie einen kleinen Sohn hat. Erst tut er so, als ändere das nichts für ihn, doch beim ersten Problemchen mit dem Babysitter und ach-wie-gentlemanlike vor dem nächsten Mal Sex, sagt er Joan ziemlich rüde, dass er sie als Freundin mit Kind nicht akzeptieren kann, da ihn dies in seinem freiheitlichen Lebensgefühl behindere. Hust... angry:
Joan ist dann etwas hin und hergerissen zwischen dem Gefühl, dass ihr Sohn tatsächlich ihrem privaten Liebesglück (an das sie ja nach wie vor glaubt) im Wege stehen könnte und dem schlechten Gewissen ob dieses Gedankens.
Es ist natürlich Richards gutes Recht, Schluss zu machen, solange noch nicht zuviele Gefühle in die Beziehung investiert worden sind und er sich eine Beziehung derzeit nun einmal anders vorstellt. Andererseits ist es auch reichlich naiv von ihm zu glauben, dass eine ernsthafte Beziehung nur gemeinsame Freizeitgestaltung, Fernreisen und Spaß sein kann, ohne Verantwortung füreinander zu übernehmen und ohne dass die normalen Alltagswidrigkeiten des Lebens den ewigen Honeymoon stören. Der gute Richard ist ja nicht mehr der Jüngste. Angenommen, nach einem halben Jahr Beziehung mit Joan erkrankt er schwer, fände er es dann auch menschlich und normal, wenn Joan dann sagen würde: "Sorry, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Das schränkt mich jetzt total in meinem freien Lebensgefühl ein und deswegen hast du bestimmt Verständnis, wenn wir uns nicht mehr sehen."   

Humorhighlight:
Petes Empörung, weil Ed und Mathis vor dem "Tinkerbell"-Kunden die Contenance verloren haben und sogar ein anzügliches Wort mit 4 Buchstaben fiel. Ach du meine Güte! Wo ist Petes Riechsalz, wenn er es braucht!?  ^_^

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Folge 11 "Time & Life"

Beitrag von Zarina » 05.09.2017, 19:23

Ganz, ganz starke Folge!!! Eine klassische "Mad Men" sozusagen.  :up:

Nachdem die zweite Hälfte der Staffel so begann, als wäre Sterling Cooper & Partner auf einem Plateau des Erfolgs angelangt, steht nun erneut die Existenz der Agentur auf dem Spiel. McCann reicht es nicht mehr, dass Sterling Cooper zu ihnen gehört, die kleine Agentur soll endgültig einverleibt werden, inklusive Umzug und Aufgabe des eigenständigen Namens. Don und Co. lassen sich wieder mal eine Finte einfallen, und ich bin diesmal erstmals ganz froh darüber, dass sie diesmal nicht zieht, denn auch bei einer Fernsehserie wie "Mad Men" kann nicht immer im letzten Moment ein Wunder geschehen. Diesmal ist es also passiert, Goliath hat David besiegt. Das ist traurig, aber auch realistisch.

Großartig die Schlussszene, ich kann die Mitarbeiter von Sterling Cooper gut verstehen, die schon wieder versammelt im Foyer stehen und wieder eine Betriebsänderung vorgesetzt bekommen, die sie nicht beeinflussen können. Verständlich, dass sie es nicht mehr hören können und Roger und auch Don sich vergeblich weiteres Gehör zu verschaffen und das Ganze als etwas Gutes schönzureden versuchen.
Gegenüber den Mitarbeitern ist die jetzige Entwicklung auch eigentlich die "schonendste", auch wenn sicherlich einige Stellen eingespart werden. Denn wenn Dons etwas ... mmh, sagen wir ambitionierter... Plan aufgegangen wäre, wäre es wohl kaum vorstellbar gewesen, dass kleine Sekretärinnen wie Meredith, Caroline, Dawn und Shirley mit von New York nach Kalifornien umziehen. Diese wären in diesem Fall definitiv arbeitslos geworden, was von den Partnern allerdings niemand beim Pläneschmieden auch nur im Geringsten auf dem Schirm hatte. Nun haben sie zumindest eine realistische Chance, bei McCann übernommen zu werden.

Jim Hobart ließ sich nicht reinreden, sitzt auch einfach am längeren Hebel, und um den Partnern die Veränderung schmackhaft zu machen, stellt er jedem einen Top-Kunden in Aussicht: Coca Cola für Don, ein großer Pharmakonzern für Ted, Buick für Roger und Nabisco (ein großer Süßwarenhersteller) für Pete. Nur die ebenfalls anwesende Partnerin Joan spielt für Jim Hobart weder in der Zukunft noch in der Gegenwart eine Rolle, was sie auch ganz treffend bemerkt. Ich bin nun gespannt, wie die Serie in Bezug auf Joan ausgehen wird. Vielleicht geht sie doch zu diesem Richard nach Kalifornien?

Ein Highlight für mich war auch die bloße Tatsache, dass Petes erster Weg nach dem vertraulichen Meeting zu Peggy führt und er sie durchaus einfühlsam und freundschaftlich in die vertrauliche Information einweiht, damit sie sich entsprechend vorbereiten kann. Peggy lässt sich daraufhin von einem Karriereberater die Empfehlung geben, tatsächlich zu McCann zu gehen, was sie zuerst strikt abgelehnt hatte, aber am Ende der Folge steht ihr Entschluss eigentlich bereits fest. Damit ist sie so ziemlich die einzige Mitarbeiterin der Agentur, von der wir sicher wissen, wie es mit ihr beruflich weitergeht.

Die eigentliche Sensation war aber natürlich das Geständnis gegenüber Stan, dass sie einen Sohn hat und diesen zur Adoption freigegeben hat. Damit wissen davon neben Peggys Familie also nur Don, Pete und nun Stan. Demnach ein sehr großer Vertrauensbeweis gegenüber Stan, der vor einigen Staffeln sicherlich noch nicht möglich gewesen wäre (damit meine ich nicht (nur), dass Stan nicht mehr so ein fieses A...loch ist wie zu Beginn, sondern dass Peggy sich erst jetzt derart öffnen kann). Ich saß sehr gespannt vor dem Fernseher, denn ich hielt es bis zum letzten Moment sehr wohl für möglich, dass Peggy es wieder mal nicht erwähnt und war dann sehr erleichtert, dass sie es getan hat. Ganz tolle Szene! :anbet:

Dann möchte ich natürlich auch etwas über Pete und Trudy schreiben. Vor dem Schuldirektor, der ihre Tochter Tammy abgelehnt hat, sind sie gezwungen, trotz Scheidung wieder mal zusammenzuhalten und man sieht wieder einmal, dass sie als Paar im "Wir gegen den Rest der Welt"-Modus noch immer fantastisch harmonieren. Endlich gibt es wieder so etwas wie Verständnis zwischen den beiden und ich schöpfe wieder einmal Hoffnung... :schaem:
Dazu als Bonus natürlich diese herrlich absurde Szene, in der Pete erstmals bei einer Schlägerei gewinnt, und herauskommt, dass der Schuldirektor der Familie Campbel eine 300 Jahre alte Familienfehde (heimtückischer Mord, aber vom holländischen König befohlen!) nachträgt. Ein bisschen, wie eine alte Derrick-Folge, wenn am Ende die abstrusesten Rachegeschichten als Motiv aufgedeckt werden. ^_^

Was war noch?
- Dons Gesichtsausdruck, als er erfährt, dass Roger ein Techtelmechtel mit seiner Ex-Schwiegermutter Marie hat. Unbezahlbar.
- Es wird bekannt, dass Teds Ehe mittlerweile auch geschieden ist, was auch seine "Alles egal"-Stimmung der letzten Folgen erklärt. Der Umzug nach Kalifornien hat die Familie also nicht retten können und vielleicht hätte er doch mit Peggy glücklich werden können... Tragisch.  ;-(
- Petes und Joans berührendes Gespräch im Taxi und der gemeinsame Kneipenausflug der Partner inklusive Trinkspruch auf Cooper ("Gut, dass er das nicht mehr miterleben musste!")
- Rogers Gedanken über die Bedeutung von Namen inklusive sofortiger Shakespeare-Referenz
- Lou Averys Gehässigkeits-Anruf bei Don. Sayonara!
- Es wird auch endlich klar, wo eigentlich Jim Cutler steckt, den sehen wir nicht wieder, er hat die Agentur verlassen und sich auszahlen lassen
- Meredith, die der Gerüchteküche erst hilflos gegenübersteht und dann direkt Don die Pistole auf die Brust setzt. Starker Auftritt!

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Folge 12 Hinterm Horizont

Beitrag von Zarina » 09.09.2017, 12:11

Puh, schwierige Folge. Obwohl ich bei "Time & Life" doch irgendwie froh war, dass die "Mad Men" diesmal nicht mit einem "Wir schlagen der Haifisch-Firma McCann ein Schnippchen"-Trick durchkommen, da dieses Motiv doch mittlerweile etwas verbraucht und unglaubwürdig anmutet, bin ich nun doch traurig, wie sich die Dinge entwickeln und befürchte, dass sich die berufliche Situation insbesondere für Roger und Peggy innerhalb von nur 2 Folgen nicht zu einem echten Happy End wandeln kann, was ich allen Hauptcharakteren doch eigentlich wünschen würde.

Die morbide Situation wird insbesondere dadurch demonstriert, dass wir die "Mad Men" diesmal nicht durchgängig in ihren neuen Räumlichkeiten mit ihren neuen Kollegen zu sehen bekommen, sondern die ausgeräumten alten Agentur-Räume hier jede Menge Screentime bekommen bzw. das, was noch von ihnen übrig ist. Sehr traurig, dies alles zu sehen, insbesondere das abgehängte SC&P Firmenschild und der völlig ausgeräumte Eingangsbereich, der doch zuvor immer so viel Geschäftigkeit ausgestrahlt hat. 
Man erfährt auch, was aus einigen Nebencharakteren wird: Shirley hat sich einen Job jenseits der Werbeindustrie gesucht, Ed wird arbeitslos und sitzt noch ein paar Tage zusammen mit dem anderen Inventar seine Zeit ab, Stan ging nicht zu McCann, sondern ist woanders untergekommen. Dawn fehlte allerdings. Sind ihre Befürchtungen wahr geworden und sie ist nun arbeitslos?

Peggy hatte selbstredend eine wunderbare Schlussszene, die ich sehr gefeiert habe, allerdings mache ich mir nun wirklich Sorgen um sie, dass sie ebenso schnell abgesägt wird wie Joan. Es ist einfach deprimierend, wieviel sich diese beiden innerhalb von sieben Staffeln erarbeitet haben, wie sehr sie sich entwickelt haben, und dass dies nun alles nichts mehr wert sein könnte, weil sie innerhalb einer riesigen gesichtslosen Masse an anderen Mitarbeitern und vor allem aufgrund des diese große Firma durchseuchenden offenen Sexismus unterzugehen drohen.

Peggys Büro wurde einfach vergessen und sie erhält einen Blumengruß wie alle neuen Sekretärinnen... Das lässt Böses ahnen.

Auch Roger tut mir leid. In der letzten Folge der 6. Staffel hatte er sich die Rettungsaktion so schlau ausgedacht, es ging vor allem darum, Don zu halten und Cutler eins auszuwischen. Nun stellt sich heraus, dass dies höchstwahrscheinlich ein gewaltiger Fehler war, der die endgültige Auflösung von Sterling Cooper & Partner verursacht hat. Rogers Spiel auf der Orgel (ist die schon jemals in der Serie aufgetaucht?) mutet nicht zufällig an wie Beerdigungsmusik. Er ist zum Totengräber seiner eigenen Firma geworden...

Dons Entschluss, das Meeting direkt wieder zu verlassen, sah ihm ähnlich und finde ich gut. Er passt einfach nicht in so eine große Firma, kann sich nicht als kleines Rädchen zwischen vielen anderen Copy Writern unterordnen. Sehr bemerkenswert, dass im Grunde Ted Chaough der einzige der "Mad Men"-Partner ist, der sich tatsächlich in die McCann-Struktur einzufinden scheint.

Don macht sich spontan, nachdem er feststellen musste, dass Sally bereits ohne ihn zum Internat gefahren ist, auf die Suche nach Diana. Erneut gibt es starke Parallelen zwischen den beiden, denn Diana ist spurlos verschwunden und das tut nun auch Don. Mal sehen, wohin es ihn verschlägt.

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