Evolution des Musikgeschmacks

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Moderator: philomina

Drive-By Trucker

Re: Evolution des Musikgeschmacks

Beitrag von Drive-By Trucker »

Hört ihr heute dieselbe Musik wie damals oder vor fünf oder zehn Jahren? Auf die klassischen Jugendsünden will ich dabei gar nicht zwangsläufig hinaus, eher wie (und vor allem: weshalb!) sich euer "Musikverhalten" im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Jein. Vieles von dem was ich früher gut fand kann ich heute nicht mehr hören. Was nicht unbedingt an der Musik liegt, sondern an den Texten.
Angefangen hat alles bei mir wie sovielen auch mit dem Kram der halt im Radio lief und den die anderen Kinder in der Schule halt auch gehört haben.
Meine erste CD war dann auch wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht vollends täuscht das erste Album von Natalie Imbruglia...
Was sich aber schnell gegeben hat.
Als The Offspring 99 glaub ich wars mit dem unsäglichen "Pretty Fly" rauskamen wars bei mir mit Pop erstmal vorbei und ich hab mich dann auf "Punk Rock" *ahem* eingeschossen und mir viele Platten aus dem Pop Punk Genere gekauft. Sachen wie Blink 182, A, Green Day, Fenix TX und so weiter und war Jahrelang davon auch begeistet.
Bis mein Englisch besser wurde, vllt. lags auch dran das ich langsam älter wurde, aber Songs übers mastubieren zu Phoebe Cates Filmen oder Großväter die sich in die Hose machen wurden mir langsam aber sich zu albern.
Wobei ich einige sachen von damals heute auch noch höre: die ersten vier Offspring Alben oder Bad Religion finden sich dann doch noch oft auf meinen Plattenspieler wieder.
Und auch einige ausgewählte Pop Punk Platten wie die neue Swellers Platte finde ich durchaus genial. Green Day, neuere Offspring und Co. allerdings nicht mehr.

Dank des Visions Magazins (Das damals lange nicht so Indie war wie heute) hab ich dann ab 2001 auch andere Bands die sich was Texte und Arrangements angeht mehr mühe gegeben gefunden und mich dann ne recht lange Zeit mit Indie Rock und Folk beschäftigt. Und auch mit dem was damals noch Emo war (Jimmy Eat World, Last Days Of April, Get Up Kids oder auch the Promise Ring).
Hab damals viele meiner Liebling entdeckt wie die Uncle Tupelo,Manic Street Preachers oder auch Jimmy Eat World. Allerdings dank der vielen Hypes die das Magazin mitgemacht hat auch CDs gekauft bei denen ich mich heute Frage was das sollte.
2005 hab ich dann ein Austaschjahr in den USA absolvieren dürfen und hab dieses dann in Alabama verbracht.
Dort habe ich dann zu meiner Verwunderung meine Liebe zu Southern Rock und Alternative Country entdeckt.
Mein Austaschvater hat mich damals auf ein Konzert der Drive-By Truckers geschleppt und nach der fast dreistündigen Show war ich weggeblasen. Irgendwie stimmte da alles die Texte, die Musik, die Stimmung. Und von da an gings dann weiter in die Richtung, alte Skynyrd Scheiben gekauft, 48. Special, aber auch Blues Rock Sachen wie Clutch oder Govt. Mule.
2005 kam dann dank Devils & Dust auch der gute Bruce Springsteen in meine Musiksammlung und weigert sich seitdem dort zu evrschwinden.
Und dabei isses bis Heute geblieben.
Hätte man mir von 10 Jahren erzählt ich würde mal auf Bruce Springsteen oder Country stehen ich hätte gelacht aber so isses dann.
Wer hat euch dabei besonders beeinflusst? Geschwister, Freunde, das Internet? Oder gibt es bestimmte Songs, Alben, Bands und/oder Konzerte, die euch nachhaltig geprägt und musikalisch ganz andere Richtungen haben einschlagen lassen? Wenn ja, welche? Und warum?
Einfluss kam bei mir vor allem durch Magazine aber auch durch ältere Bekannte die nen komplett anderen Musikgeschmack hatten als ich.
Und wie gesagt das Drive-By Truckers Konzert 2005 in Tuscaloosa ist bis Heute das beste Konzert auf dem ich je war und hat mich weg vom Indie Rock in Richtung Alt-Country getrieben. Vorallem wars dann der von Jason Isbell für die Trucker geschriebene Song "Goddamn lonely Love" - der mich bis heute wie kein zweiter Berührt - der für den Wandel verantwortlich war. Das ganze ist zum einen zwar immer sehr emmotional aber wird dabei nie weinerlich. Ist schwer zu beschreiben aber die Schwermut die in den Texten sehr deutlich ist wird sehr häufig durch wirklich schöne Musik unterlegt, die für mich persönlich eine sehr schöne Wiederspiegelung des Lebens ist wo das Schöne ja auch immer mit dem Traurigen einhergeht.

Welche Bands, die ihr vor Jahren geliebt habt, könnt ihr heute nicht mehr hören? Und welche hätten euch früher noch Ohrenschmerzen bereitet, gehören heute aber zu euren absoluten Faves? Und woran liegt das?
Green Day kann ich absolut nicht mehr ab, dieses ganze Rockstar gehae geht mir auf den Senkel und dann dieses politik gehabe.... Das gleiche gilt für NOFX, Anti Flag und besonders Rise Against die mir einfach zu viel mit gehobenem Zeigefinger prädigen. Ist zwar schön dass sie sich für Politik und alles interessieren aber das dermaßen plakativ zu verpacken...keine Ahnung warum mich dass so stört, aber tim mcIllrath möchte ich jedes mal wenn ich ihn höre an die Gurgel gehen :schaem:

Was ich früher nie gedacht hätte ist, dass ich mal Hip Hop Artists zu meinen Lieblingskünstlern zählen würde, aber mit brother Ali, Sage Francis und Atmosphere finden sich nun glatt drei in meiner Top 10.
Was vorallem an den genialen texten und den HipHop untypischen Arrangements der Songs liegt. Was besonders Ant zu zuschreiben ist, der Mann prooduziert einfach nur 1A Musik.
Habt ihr euren musikalischen Horizont immer mehr erweitert oder euch mittlerweile vielmehr auf ein oder zwei besonders geschätzte Genres spezialisiert?
Hmm...bin zwar besonders auf Country und (Southern) Rock spezialisiert, höre daneben aber auch viel traditionelle Musik, seis aus Irland, Mexico oder China. Ein bsichen Hip Hop und Punk. Von daher würde ich sagen ich höre das was mir gefällt.
Ich achte heute aber viel weniger auf Genres und höre auch in Sachen rein wo mir das Genre an sich eher weniger zusagt um zu sehen ob ich meine Meinung nicht noch ändere.
Und hört ihr allgemein mehr oder weniger, aktiver oder passiver Musik als früher? Welchen Stellenwert hatte Musik bei euch heute?
Viel mehr und viel aktiver.
Musik ist neben dem Lesen und TV gucken mein wichtigster zeitvertreib. Ich sammle immer noch gerne vinyls und erfreue mich am Artwork und allem.
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Re: Evolution des Musikgeschmacks

Beitrag von Lin@ »

Drive-By Trucker hat geschrieben:2005 hab ich dann ein Austaschjahr in den USA absolvieren dürfen und hab dieses dann in Alabama verbracht.
Dort habe ich dann zu meiner Verwunderung meine Liebe zu Southern Rock und Alternative Country entdeckt.
Das kann ich mir vorstellen. Ich hab ein Jahr in Kanada studiert und höre seitdem unheimlich(!) viel kanadische Musik. Schon irgendwie krass, wie so ein Austauschjahr prägen kann...
Hätte man mir von 10 Jahren erzählt ich würde mal auf Bruce Springsteen oder Country stehen ich hätte gelacht aber so isses dann.
Hab mich mit Springsteen nie ausführlich beschäftigt, aber (Alt-)Country ist definitiv eine der unterschätztesten Musikrichtungen überhaupt.
Was ich früher nie gedacht hätte ist, dass ich mal Hip Hop Artists zu meinen Lieblingskünstlern zählen würde, aber mit brother Ali, Sage Francis und Atmosphere finden sich nun glatt drei in meiner Top 10.
Kenne Brother Ali und Atmosphere nur vom Namen her, aber wenn du sie schon in einem Atemzug mit Sage Francis nennst, sollte ich wohl mal reinhören. ;)
Ich sammle immer noch gerne vinyls und erfreue mich am Artwork und allem.
Schön, dass es sie noch gibt, die Vinyl-Sammler. :) Besitze zwar selbst (aus Selbstschutz) keinen Plattenspieler, bin aber bekennender Artwork-Fetischist.
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Larna

Re: Evolution des Musikgeschmacks

Beitrag von Larna »

Es fing bei mir mit Boygroup-Pop (wobei ich um die Zeit auch Girlgroups wie die "Spice Girls" angehört habe) mit etwa acht Jahren an und umfasste damals eben diverse Pop-Acts, die in Megastar, Popcorn, etc. regelmäßige Gäste waren: Vengaboys, The Moffats, Sonique, Squeezer, etc. und wie sie alle hießen.

Es ging in der Pubertät weiter mit Singer/Songwriter-Pop, Hip-Hop (auch unbekanntere Sachen) und Hard-Rock/Heavy-Metal. Um das Abitur herum bzw. kurz danach war ich bei Klassik und Opern angelangt.

Heute höre ich vor allem Indie, Soul und Alternativ-Pop.
Drive-By Trucker

Re: Evolution des Musikgeschmacks

Beitrag von Drive-By Trucker »

Lin@ hat geschrieben:Hab mich mit Springsteen nie ausführlich beschäftigt, aber (Alt-)Country ist definitiv eine der unterschätztesten Musikrichtungen überhaupt.
Stimmt schon, (Alt-)Country wir wirklich unterschätzt. Aber ist ja an sich nicht schlimm, wir wissen ja wie gut es ist, ist halt schade für die leute die nicht wissen was sie verpassen :D
Was Springsteen angeht, sind fast all seine Alben es wert gehört zu werden, allen voran "Born to Run", "Darkness At The Edge Of Town" und "Born In The USA". Sind für mich persönlich drei der bewegensten Rock Alben aller Zeiten.
Und Songs wie eben Born To Run oder No Surrender sind zeitlos schön.
Kenne Brother Ali und Atmosphere nur vom Namen her, aber wenn du sie schon in einem Atemzug mit Sage Francis nennst, sollte ich wohl mal reinhören. ;)
Sind vom Stil her vllt. etwas anders, aber mindestens ebenso interessant. Ali ist zum Teil sehr politisch, besonders auf seinen späteren Alben wärend Atmosphere eher persönliche Themen aufgreifen. Alles aber extrem filigran und sehr durchdachten Lyrics.
Von Atmosphere sind besonders "When life gives you lemons, you paint that shit gold", "You can't imagine how much fun we're havin" und "To All My Friends, Blood Makes the Blade Holy - The Atmosphere EP's" zu empfelen, von Ali besonders "The Undisputed Truth"
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Re: Evolution des Musikgeschmacks

Beitrag von Lin@ »

Drive-By Trucker hat geschrieben:Stimmt schon, (Alt-)Country wir wirklich unterschätzt. Aber ist ja an sich nicht schlimm, wir wissen ja wie gut es ist, ist halt schade für die leute die nicht wissen was sie verpassen :D
So sieht's aus. 8-)
Was Springsteen angeht, sind fast all seine Alben es wert gehört zu werden, allen voran "Born to Run", "Darkness At The Edge Of Town" und "Born In The USA". Sind für mich persönlich drei der bewegensten Rock Alben aller Zeiten.
Springsteen ist leider einer dieser Künstler, die mittlerweile einfach schon so viel veröffentlicht haben, dass ich irgendwie nie so recht die Lust/Geduld verspüre, mich da ans Aufholen zu machen. Ist bei Neil Young, Johnny Cash und Dylan nicht viel anders, wobei die sogar noch deutlich höher auf meiner Liste stehen... :ohwell:
Von Atmosphere sind besonders "When life gives you lemons, you paint that shit gold", "You can't imagine how much fun we're havin" und "To All My Friends, Blood Makes the Blade Holy - The Atmosphere EP's" zu empfelen, von Ali besonders "The Undisputed Truth"
Gut zu wissen, danke. Werd ich mal bei Gelegenheit reinhören. :)
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