So hab ich mir das vorgestellt.
Melanie hat geschrieben:Ich weiß nicht, wer wann welche Alben herausbringt, ich hab nicht mal mehr eine Ahnung, wer die deutschen Charts anführt. Aber das ist mir eigentlich auch egal.
Nicht nur dir.
Dem transportablen Musikspieler sei es verdankt, dass ich mir kaum noch Alben kaufe und kaum noch mehr als drei Songs pro Band durchhöre. Ob das schade ist, weiß ich nicht.
Ich finde schon.
Aber auch eine interessante Entwicklung, der ich mich bislang (Gott sei Dank?) entziehen konnte: Das allgemein scheinbar abnehmende Interesse an Alben und die dafür steigende Tendenz, nur noch einzelne Songs zu hören.
Wie ist das bei anderen? Hört ihr noch hauptsächlich Alben oder pickt ihr euch auch nur die Favorites raus und lasst dann nur noch "playlists" laufen? Ich gehöre ja nach wie vor zu der Spezies, die Alben am liebsten von vorne bis hinten hört. Bin allgemein kein großer Fan von Mixtapes oder Compilations, kann gar nicht genau festmachen, woran das liegt. Hat wahrscheinlich was mit der Stimmung zu tun, bin nämlich ein Fan von atmosphärischen, runden Alben, die einfach in sich "stimmig" sind, was ja selten der Fall ist bei Samplern...
Meine Kids werden später mal nicht meine gesamte Lebenssituation anhand meiner Alben rückverfolgen können (wie ich es bei meinen Eltern tun konnte), aber das ist mir ehrlich gesagt auch nicht so wichtig.
Dir vielleicht nicht, aber deine Kids werden dir das irgendwann wahrscheinlich vorhalten.

So geht's mir zumindest oft. Meine Eltern haben die wenigen Platten, die sie hatten, verschenkt, als sie ausgewandert sind, dabei wäre ich so gern mit den Beatles sozialisiert worden...
ich habe keinen einzigen Song, den ich als meinen "Lieblingssong" bezeichnen würde.
EINEN hab ich auch nicht, eher hunderte.
Schnupfen hat geschrieben:Für Musik, die ich aus dem Radio kannte (und mochte), hab ich anfangs noch gar nicht so viel Geld ausgegeben. Da reichte der Kasettenrecorder samt Aufnahmetaste (und stundenlangem Warten auf den einen Song, den man haben wollte [Klingt sicher wie 1900 für die heutige Jugend, ne?]).

War aber ne geile Zeit.
Call me crazy - wenn ich ganz bestimmte Booklets von 97 oder 98 in die Hand nehme, rieche ich das Gefühl, dass ich damals hatte, als ich die entsprechenden CDs immer und immer wieder gehört habe.
Und ich dachte, das geht nur mir so...
Und außer Volksmusik und allem Harten, was über Metal hinausgeht, gibts fast alles in meinen Ikea-Regalen. Udn wird auch noch gehört. Und - bei Kritikern - verteidigt. Denn einen Grund, warum ich etwas besitze und mag, hab ich ja immer.
So isses. Und so musses sein.
Fincky hat geschrieben:Dann gab es einige Komplikationen mit den Backstreet Boys ^^

Schön ausgedrückt...
Hatte ja auch mal so eine Phase, in der ich die Jungs ganz gerne mochte, war aber (wenn ich mich recht entsinne) nie ein
richtiger Fan von irgendeiner Boy-Band (oder irgendeiner anderen, for that matter). Mir war Fanatismus in der Hinsicht einfach schon immer äußerst suspekt. Konnte damals mit dem ganzen Boyband/Girlband/Kelly Family-Wahnsinn überhaupt nichts anfangen, auch wenn ich (mit etwas Abstand) den ein oder anderen Song durchaus ganz gern mochte. Hab da wohl einfach persönlich eine ganz ausgeprägte Antipathie gegenüber übertriebenen Hypes und (was ich ja noch viel schlimmer finde) Gegen-Hypes.
Die Authenzität der Musik wird wichtiger, man möchte sich gerne mit der Musik identifzieren können, denke ich.
Hmm... Authentizität steht bei mir auch ganz oben, aber ob das mit dem Identifikationsfaktor zu tun hat? Der hat bei mir in den letzten Jahren eigentlich ziemlich nachgelassen. Zumindest die Identifikation mit bestimmten Text(zeil)en, Künstlern, Musikrichtungen... Sehe (bzw. höre) Musik mittlerweile eigentlich als losgelöste Kunstwerke, ähnlich wie Literatur, wo meistens einfach der künstlerische Anspruch im Vordergrund steht, unabhängig davon, ob ich mich nun in den Texten selbst wiederfinde oder so. Was aber natürlich nicht heißen soll, dass da keine starke emotionale Bindung entstehen kann, ganz im Gegenteil. Vielleicht kann ich mich aber auch einfach mit dem Begriff "identifizieren" nicht so recht... äh, identifizeren.
EvilFiek hat geschrieben:Das änderte sich Anfang 2000, als wir endlich ne Satellitenschüssel bekamen und ich so in den Genuss von MTV und Viva kam deren Programm ich dann durchaus täglich mehrere Stunden lang konsumierte.
Hach, das waren noch Zeiten, da konnte man sich MTV und Viva echt noch den ganzen Tag geben. Mittlerweile...
Was damals (und auch heute!) allerdings schon überhaupt nicht ging war Musik, die auf zuviel Sex setzte. Da hatte ich so eine Art eingebauten Moralstandard
Das finde ich interessant, bezieht sich auch schon allein auf die Darstellung in Musikvideos & Co.? Oder nur auf die Texte? Weil wenn ersteres, frag ich mich: Inwiefern hat Musikgeschmack auch mit Sympathie zu tun? Hört man bestimmte Musik einfach nicht, weil man die Interpreten nicht leiden kann? Ich für meinen Teil, kann da eigentlich sehr gut trennen und auch Musik von Leuten hören, die ich persönlich für völlige Idioten und/oder Arschlöcher halte.
Man nehme zum Beispiel 'The Glass Prison', denn, wie ich später feststelle, handelte der Song von den Alkoholproblemen des Drummers und darüber Lieder zu machen stellte für ihn eine Art von Rehabilitation dar. Und auch wenn es nicht der einzige Grund ist, hat Dream Theater durchaus eine Rolle darin gespielt, dass ich keinen Alkohol trinke. Und genau so könnte ich unzählige Beispiele aufzählen, bei der Musik mich inspiriert hat, weswegen ich der festen Überzeugung bin, dass ich ohne diese Einflüsse heute ein anderer Mensch wäre.
Auch wenn mir jetzt (natürlich!

) kein so konkretes Beispiel einfällt, kann ich dir nur Recht geben. Geht mir ganz genauso. Wenn auch vielleicht nicht ganz so krass bzw. offensichtlich, sondern eher unterschwellig.
Was aber noch immer nicht geht [...] und natürlich Musik, die keine Emotion oder Virtuosität bietet. Das trifft dann vor allem auf elektronische Musik zu.
Dabei gibt's da draußen doch so viele tolle Elektro-Bands!
ForVanAngel hat geschrieben:Es gibt da so eine Sache: Schau ich meine CD-Sammlung an (schätzte mal an die 200 Alben (inkl. Sampler)), und sage mir: was könnte ich mal wieder hören? Dann greif ich zB eher nicht zu einem Album, dass ich schon seit (3,4)5+ Jahren besitze, sondern zu einem neuen, weil ich zB Dido 1+2 auswendig kann, das neue noch nicht.
Interessant, bei mir ist das genau anders herum. Wenn ich schon wirklich so weit bin, dass ich wirklich durchs Regal schauen muss, um zu wissen, worauf ich Lust habe, ist das meist ein Zeichen dafür, dass ich gerade von Neuem gelangeilt bin und mal wieder was Altbewährtes hören möchte. Ist auch immer wieder toll, eine Platte aufzulegen, die man vor Ewigkeiten mal wirklich auf Dauer-Rotation hatte. Da werden nämlich immer immens viele Erinnerungen wach.
Aber apropos Erinnerungen:
Meine musikalische Sozialisation begann mit den Prinzen.

Zumindest war das die erste Band, an die ich mich erinnern kann, die ich wirklich richtig geliebt habe, Texte auswendig konnte etc. pp. Kann mich eigentlich auch kaum daran erinnern, was ich damals sonst noch gehört habe. Zumindest aktiv. Passiv hatte ich durch meine drei älteren Schwestern eigentlich genug musikalischen Input. Und ihnen habe ich es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass ich bis heute eigentlich für fast jede Musikrichtung offen bin, weil sie alle sehr unterschiedliche Sachen gehört haben. Während aus dem einen Zimmer also sowas wie Nirvana, Guns'n'Roses und Mr. Big tönte, dröhnten aus dem anderen Techno- und Dance-Beats inklusive der ganzen Haddaway-/Dr. Alban-Fraktion. Und aus dem dritten hauptsächlich Trance und House (später auch TripHop) sowie sämtliche (für mich) gewöhnungsbedürftigen Frauenstimmen - also Björk, Sarah McLachlan, Celine Dion, Cranberries (oder waren's doch die Cardigans?) und zig andere...
Nun ja, wie es sich gehört, musste ich als Nesthäkchen natürlich rebellieren, indem ich mich anderer Musik widmete.

Wobei ich schon damals fröhlich durcheinander hörte, was gerade gefiel, sei's nun Robbie Williams, die absoluten Beginner oder die RHCP. Das erste Album, das ich wirklich geliebt habe und mit dem ich angefangen habe, Musik sehr viel bewusster und involvierter zu hören, war Xavier Naidoos "Nicht von dieser Welt". Kann mich bis heute noch genau daran erinnern, wie ich ihn zum ersten Mal auf VIVA bei irgendeinem Live-Auftritt und ich meine nur von Klavier begleitet "20000 Meilen" habe singen hören und völlig hin und weg war von seiner Stimme.
Es folgten die Irrungen und Wirrungen der Pubertät, die ich hier nicht näher erläutern will.

Insgesamt war doch recht viel harmloser Chart-Pop dabei, doch die Bindung zur Musik wuchs trotzdem stetig. Es begann die Phase, in der ich mir von allen Songs und Alben, die ich mochte (und das waren verdammt viele) die zugehörigen Lyrics ausdruckte (falls keine im Booklet vorhanden), in bald riiiiiesenfetten Ordnern sammelte und wirklich sehr viel aktiv mit den Texten vor der Nase gehört (und natürlich auch fleißig mitgesungen

) habe.
So mit 16 hatte ich dann auch endlich jemanden gefunden, dem Musik genauso wichtig war wie mir und bei dem die musikalische Wellenlänge auch stimmte. Man schwärmte sich gegenseitig von tollen Bands vor, musste unbedingt dieses oder jenes Lied vorspielen etc. pp. So kam ich dann auch mit der eher alternativen Schiene in Kontakt. Das war dann auch in etwa die Zeit, in der ich Bands und Künstler kennenlernte, die bis heute zu meinen absoluten Faves gehören: The Libertines, The Dresden Dolls, Interpol, Jason Mraz, (Robin) Thicke, Phoenix...
Noch "schlimmer" wurde das mit der Musik bei mir dann, als ich nach dem Abi von zuhause aus- und in eine selbsternannte "Metropolregion" gezogen bin, in der das ganze Jahr über Konzerte stattfanden. Eine ganz neue, spannende Welt eröffnete sich mir.

Seitdem wird eigentlich jedes Jahr (zumindest gefühlt) noch mehr Geld für Musik ausgegeben, somit auch mehr gehört und geliebt. Eine große Mitschuld daran trägt auf jeden Fall das Internet. Nicht nur weil es da musikalisch einfach (wenn man denn mal die Webseiten-Perlen für sich entdeckt hat) unheimlich viel zu entdecken und genießen gibt, sondern auch weil ich über diverse Communities wie z.B. last.fm einige Leute kennengelernt habe, die meine Musik-Sucht (im Gegensatz zu meinem größtenteils total musikbanausigen Freundeskreis) nicht nur nachvollziehen konnten, sondern auch noch für fördernswert hielten.

Über sie bin ich dann (noch!) aufgeschlossener (und anfälliger

) geworden für deutsche Musik (Tomte, Kettcar & Co.), Post-Rock, anständigen HipHop, Slowcore und, more recently, weibliche Si/So-Musik.
Allgemein bin ich, seit ich einem gewissen Iren namens Damien Rice hoffnungslos verfallen bin, sehr in die Singer-Songwriter-Schiene gedriftet, habe von da aus aber auch einige seeehr interessante Folk-/Americana-/Altcountry-Bands für mich entdeckt. Bin aber nach wie vor auch immer offen für neue Richtungen, vor allem, da man ja auch nicht permanent nur jammernde Männer mit Gitarre hören kann.

Von daher darf's zwischendurch auch mal etwas Elektro sein. Oder Zappel-Indie. Oder kanadischer HipHop.
Könnte noch ewig referieren, aber dann schläft mir vermutlich selbst der letzte Forumleser ein, von daher belass ich's mal vorerst dabei. Aber eine Frage hätte ich noch:
Was macht für euch gute Musik aus? Welchen Anspruch stellt ihr an Musik? (auch im Vergleich zu früher) Würde mich echt mal interessieren...