True Detective [HBO]

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Schnurpsischolz
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True Detective [HBO]

Beitrag von Schnurpsischolz »

Mit "True Detective" bringt auch HBO, nach dem FX mit "American Horror Story" bereits einen ähnlichen Weg beschritten hat, eine eigene Anthologie-Serie an den Start. Geplant ist es, jede Staffel eine eigenständige Geschichte mit neuen Figuren zu erzählen, als verbindendes Element soll dabei dienen, dass innerhalb dieser Staffel immer ein Rätsel gelöst werden soll.

In der ersten acht Folgen umfassenden Staffel haben Matthew McConaughey, Woody Harrelson und Michelle Monaghan die wichtigsten Hauptrollen übernommen. Sämtliche Drehbücher wurden hierbei von Krimiautor Nic Pizzolatto verfasst, Regie führte bei allen Episoden Cary Fukunaga.

Wer hat alles bereits in die neue HBO-Dramaserie reingeschaut? Wie findet ihr "den Spaß"? ;)

Ich bin aktuell noch zwiegespalten, oder sagen wir eher, zu 75% begeistert, mit dem Bewußtsein, dass die Serie doch auch einiges macht, was ich eigentlich nicht tolerieren möchte, wo ich aber auch erstmal den restlichen Verlauf der Staffel abwarten will.

Generell besticht die Serie natürlich enorm durch die Atmosphäre, durch die Musik, die wunderbar, teilweise auch genial surrealen Bilder und wie erwartet durch die beiden Hauptdarsteller. Wenn man also auf den ersten Blick sich darauf einlässt, ist es großes Drama, unter der Oberfläche habe ich aber doch auch so einige Probleme. Die lassen sich vor allem mit dem Aspekt zusammenfassen, dass es ganz deutlich eine Männerwelt ist, durch den Männerblickwinkel gesehen und leider eben auch nur von Männern in aktiven Parts bevölkert wird, In der ersten Folge hat mich diese Kritik, die ich hier und da im Vorfeld auch schon gesehen hatte, noch gar nicht gestört, in Folge 2 war es aber doch arg nervig. Da wird das Motiv der unschuldigen Tochter in Gefahr ständig herangezogen, aber eben immer aus der Männersicht. Da sind alle Frauenfiguren Statisten in einer Männerwelt, und das eben leider in enorm Klischeebeladenen Rollen (die nervige Ehefrau :ohwell: , die sexy Geliebte :roll: , die Hure, die Tochter, die Sekretärin). Da muss auf jeden Fall auf lange Sicht noch was kommen, vor allem natürlich in Bezug auf Harts Ehefrau, die ja schließlich die einzige Frau im Hauptcast ist.

Abgesehen macht die Serie bisher aber wirklich Spaß, wenn man das bei einem so düsteren Thema so nennen kann und ich bin auf jeden Fall für diese Staffel dabei. Diese neue Mode, Serien in Anthologie-Form zu drehen finde ich persönlich ja einen wunderbaren Trend. :)

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manila
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von manila »

Schnurpsischolz hat geschrieben:Wer hat alles bereits in die neue HBO-Dramaserie reingeschaut?
Ich! Wie man an meinem neuen Set unschwer erkennen kann... ;)
Generell besticht die Serie natürlich enorm durch die Atmosphäre, durch die Musik, die wunderbar, teilweise auch genial surrealen Bilder und wie erwartet durch die beiden Hauptdarsteller. Wenn man also auf den ersten Blick sich darauf einlässt, ist es großes Drama...
Ich muss sagen, das ist es, was mich zumindest gleich in den ersten zwei Folgen enorm in den Bann gezogen hat. Optisch und insgesamt handwerklich ist "True Detective" zunächst einmal wahnsinnig gut. Die Atmosphäre, die aufgebaut wird, ist unglaublich einnehmend und wirft nochmal einen viel düsteren und viel krasseren Blick auf die US-Südstaatenwelt, als es bspweise "Justified" tut (und die Serie ist darin ja auch schon so gut). "True Detective" ist hier aber nochmal viel konsequenter und härter, das gefällt mir.

Und dann natürlich: Woody Harrelson und Matthew McConaughey. Mag beide Schauspieler seit jeher gerne, insofern hatte man mich eigentlich gleich mit diesen zwei Namen. Dann aber überzeugt McConaughey als Rusty Cohle so dermaßen, dass ich diesen Charakter in all seinen Facetten einfach nur enorm faszinierend finde (und McConaughey für mich vom erstmal "nur" sehr sehr attraktiven Schauspieler zu einem richtigen Charakterschauspieler geworden ist :D). Vor allem, weil Cohle nochmal einen draufsetzt auf diejenigen Männercharaktere, die mit Marty Hart et al. (Don Draper lässt grüßen) schon seit Jahren die TV-Landschaft bevölkern: Er hat seinen Dämonen komplett nachgegeben und solche Charaktere finde ich generell immer super - vor allem, wenn sie dann auch noch so genial dargestellt werden wie McConaughey das bisher macht. AVClub trifft für mich den Nagel auf den Kopf:
AVClub hat geschrieben:As a show about Marty Hart, True Detective would be another watered-down antihero drama, a Ray Donovan for biding your time until Ray Donovan comes back. But Rust provides the type of foil that pale imitators to the Soprano/Draper/White throne often lack, a broken man who’s given all the way into his malfunction and actually uses that malfunction as his way of keeping up appearances. He’s the male antihero who’s not making apologies for himself. And as overplayed as that basic type is in 2014, at least Matthew McConaughey and Nic Pizzolatto have fashioned a new, hypnotic spin on it.
Die lassen sich vor allem mit dem Aspekt zusammenfassen, dass es ganz deutlich eine Männerwelt ist, durch den Männerblickwinkel gesehen und leider eben auch nur von Männern in aktiven Parts bevölkert wird, In der ersten Folge hat mich diese Kritik, die ich hier und da im Vorfeld auch schon gesehen hatte, noch gar nicht gestört, in Folge 2 war es aber doch arg nervig. Da wird das Motiv der unschuldigen Tochter in Gefahr ständig herangezogen, aber eben immer aus der Männersicht. Da sind alle Frauenfiguren Statisten in einer Männerwelt, und das eben leider in enorm Klischeebeladenen Rollen (die nervige Ehefrau :ohwell: , die sexy Geliebte :roll: , die Hure, die Tochter, die Sekretärin).
Kann diesen Kritikpunkt vollkommen nachvollziehen. Allerdings muss ich sagen, stört es mich bei "True Detective" irgendwie nicht, weil es eben so ganz offensichtlich und gewollt diese Männerwelt darstellen will und soll. Die Louisiana State Police in den 90ern war ganz sicher so eine Männerwelt. Die Südstaaten sind und bleiben ein Ort, wo diese Männerwelt wirklich existiert und problemlos inszeniert werden kann - das hat bis zu einem gewissen Grad natürlich auch viel mit Klischees zu tun, aber das Frauenbild ist sicherlich immernoch von diesem Stereotyp der Southern Belle geprägt (leider). Das schlägt sich dann in diesen stereotypischen Frauenrollen nieder.
Diese neue Mode, Serien in Anthologie-Form zu drehen finde ich persönlich ja einen wunderbaren Trend. :)
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Lin@ »

Wer sich noch nicht königlich darüber amüsiert hat: True Detective Conversations :D
Schnurpsischolz hat geschrieben:Ich bin aktuell noch zwiegespalten, oder sagen wir eher, zu 75% begeistert, mit dem Bewußtsein, dass die Serie doch auch einiges macht, was ich eigentlich nicht tolerieren möchte, wo ich aber auch erstmal den restlichen Verlauf der Staffel abwarten will.
Mir geht's da ja (leider) sehr ähnlich. Wage entsprechend auch noch gar kein Urteil zu fällen, weil für mich wirklich extrem viel davon abhängt, wie die Story sich letztlich weiterentwickelt.
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Schnurpsischolz
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Schnurpsischolz »

So, mittlerweile sind sechs Folgen gelaufen, es stehen nur noch zwei aus und auch wenn man sicher noch keinen wirklichen Plan haben kann, wie der Mordfall letztendlich aufgelöst wird, finde ich, ich kann mich langsam an ein Urteil der Stärken und Schwächen rantrauen.

In den letzten Tagen ist ja auch in den US-TV-Feuilletons die Diskussion entbrannt, ob das was die Serie macht nun offen frauenfeindlich ist, ignorant gegebüber Frauen oder ein cleveres Stilmittel, um die Frauenfeindlichkeit der von den Charakteren bevölkerten Welt darstellt. Nur um mal ein paar Links dazu zu posten, ich gehe mal davon aus einige davon sind sicher bekannt:

Emily Nussbaum: The shallow, deep talk of "True Detective"
Willa Paskin: Yes, True Detective treats its female characters badly. That's the point.
Female Bodies and the Philbrosophy of "True Detective"
Alyssa Rosenberg: Why Men Should Want ‘True Detective’ To Have Great, Nuanced Female Characters

Ich selber stehe dabei auch auf der eher skeptischen Seite und bin von gewissen Aspekten (gerade der letzten Folge) teilweise doch arg genervt, es hängt aber sicher noch alles davon ab, was die Serie mit ihrer Auflösung daraus macht.

Generell ist glaube ich das große Problem gleichzeitig auch die große Stärke der Serie. Der so wahnsinnig enge erzählerische Fokus auf Rust und Marty lässt einfach alle Charaktere neben ihnen vollkommen verblassen und total schmal wirken. Neben den vielfach kritisierten Frauen trifft das ja vorallem auf die beiden Detectives aus der 2012-Timeline zu, die ja auch nichts anderes als Stichwortgeber sind, wobei man ja gut auch den Vorwurf aufmachen könnte, dass die afroamerikanischen Charaktere gerade für eine Serie in Louisiana arg marginalisiert werden.

Die Frauenproblematik ist für mich aber nochmal wesentlich krasser, weil man eben gleichzeitig zu dem Fouks auf den beiden Protagonisten und all dem Seelenstriptease, den die durchmachen noch diese zentrale Thematik hat, das Rust sich als Beschützer und Retter der verlorenen Frauen und Kinder berufen fühlt. Man hat ihm zwar dafür eine wunderbare Motivation rangeschrieben, mit seiner verlorenen Tochter und Ehefrau, aber auch diese beiden und was sie Rust bedeuten bleiben total abstrakt. Ebenso wie all die Frauen, die Rust da retten möchte. Er benimmt sich dabei, auch wenn er es selbst nicht hören wollen würde wie ein Knight in shinig armor, interessiert sich aber eben überhaupt nicht für die Personen als solche. Sah man ja auch wunderbar an der Szene, als er der Kindsmörderin das Geständnis ablockte. Oder als er das Opfer, was er und Marty gerettet hatten befragt, die sobald sie ihren Zusammenbruch hat von ihm nur noch als störend eingeordnet wird. Was sie bis dahin durchgemacht wird, ist sowhl für Rust, als auch die Serie völlig uninteressant. :ohwell: Er erinnert mich dabei sehr an McNulty und dessen Besessenheit, die schwierigen Fälle zu lösen. Er gab ja auch immer vor, dabei an die Gerechtigkeit für die Opfer zu denken. Allerdings hat es The Wire tausendmal besser klar machen können, dass sein Gerede Bullshit ist und er nur für sein eigenen Ego tickt.

Das Thema als verbindendes Element oder auch Leitmotiv für diese Staffel wäre an sich nicht das Problem, wenn man eben nicht gleichzeitig ohne schlechtes Gewissen die Frauen hier mit der gleichen Täterrechtfertigung einsetzten würde, dass sie eben doch selber daran Schuld seien. Da ist zum einen der ganz krasse male gaze mit Alexandra Daddario in Episode 2, oder der Ex-Prostituierten hier. Bei der Szene vorm Spiegel am Telefon hätte ich echt kotzen können. :motz: Die Frauen in der Serie haben bisher nur eine einzige Motivation gezeigt, sich nämlich mit großer Begeisterung (und vorallem immer auf deren Initiative hin) durchvögeln zu lassen. Ob das Martys Geliebte sind, oder auch Maggie hier mit Rust. Wenn wenigstens eine von Martys Frauen eher so eine Art "OK, ich hab grad nix besseres zu tun, also schlafen wir miteinander"-Stimmung an den Tag gelegt hätte, aber nein, die waren alle ganz heiß darauf es sich mal ordentlich besorgen zu lassen. Pardon my french :roll: Das schreit für mich einfach so sehr nach männlicher Wunschvorstellung, die aber aufgrund des ultraernsten Settings auch noch als total realistisch dargestellt wird. Dazu kommt eben die Tatsache, dass die Frauen beim Sex alle durch die Bank weg wunderschön sind, während alle anderen weiblichen Wesen eher dem Idealtyp "Huren aus Justified" entsprechen. ;)

Auch dass Maggies einziger weg aus ihrer Ehe der ist, Marty mit Rust zu betrügen ist für mich völlig uschlüssig. Klar, es gäbe sicher eine Variante, dass das der Fall wäre, aber wir wissen das nicht, da wir ihre Perspektive nicht wirklich kennen. Sie hat eben außer die Ehefrau von Marty zu sein, erst die eifersüchtige dann die rachsüchtige Variante, keinerlei Eigenschaften. Da reicht es auch nicht, dass sie es in der 2012 TL anspricht, mittlerweile nicht mehr so zu sein.

Geht man da mal ganz großzügig heran, dann soll es vielleicht wirklich rüberbringen, dass die Männer in einer völlig einseitigen Weltssicht gefangen sind, in der die Frauen wirklich nur Opfer sind, die von ihnen gerettet werden müssen, oder störende Faktoren, die zum Keil in der Männerfreundschaft werden (mal ehrlich, ob Maggie noch mehr Bedeutung bekommt als die Frau, die zwischen Rust und Marty kam?). Diese Beschränktheit führt zum eigenen Verfall dieser Männer, aber transportiert diese Serie das wirklich? Ist es nicht eher ein Bild, in der die Frauen es nicht anders verdient haben, wo sie doch so gemein sind und ihre armen Männer ständig zum Tampon-Kaufen schicken?

Mir fehlt momentan ganz dringend der relativierende Faktor zu dieser Weltsicht, wie es Breaking Bad ja in den späteren Staffeln mit Skyler so gut vorgemacht hat. Wenn ich da die allgemeinen Reaktionen bspw. bei Serienjunkies sehe, wo sie alle so entsetzt sind, dass es eben den Vorwurf der Mysogenie gibt, dann ist die Serie sehr weit davon entfernt, eben diese zu kritisieren. Für mich persönlich steht und fällt die Sache aber auch damit, dass die Stärken von TD mir auf Dauer nicht ausreichen. Allein an diesen beiden Charakteren, die mir auf persönlicher Ebene so stakr zuwider sind und dem nihilistischen Weltbild von Cohle, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann (und was in meinen Augen halt auch keinerlei Erkenntnis liefert über das bloße Gesagte hinaus) kann ich mich nicht langhangeln. Die Machart ist definitiv ansprechend, sonst wäre ich wohl auch schon lange raus, aber es fehlt doch für mich einiges.

Mit einem guten Ende, was thematisch die Geschichte gut zum Abschluss bringt, kann man da sicher noch einiges rausholen. Aber due ganz große Liebe wird es bei mir und TD wohl nicht mehr werden. Bleibt die Hoffnung auf "The Red Road". ;)

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Lin@
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Lin@ »

Schnurpsischolz hat geschrieben:Ich selber stehe dabei auch auf der eher skeptischen Seite und bin von gewissen Aspekten (gerade der letzten Folge) teilweise doch arg genervt, es hängt aber sicher noch alles davon ab, was die Serie mit ihrer Auflösung daraus macht.
Geht mir genauso. Gibt IMO auch nur wenige Serien, deren letztendliche Qualität für mich so sehr von ihrem Ende anhängt. Vermutlich kein gutes Zeichen...
Generell ist glaube ich das große Problem gleichzeitig auch die große Stärke der Serie. Der so wahnsinnig enge erzählerische Fokus auf Rust und Marty lässt einfach alle Charaktere neben ihnen vollkommen verblassen und total schmal wirken.
Richtig, und das macht für mich halt auch die Story extrem eindimensional, weil überhaupt keine anderen Perspektiven zur Geltung kommen. Alle anderen Figuren sind durch die Bank einfach nur Mittel zum Zweck der Plot- bzw. Hauptcharaentwicklung und haben ansonsten im Prinzip überhaupt nichts zur Serie beizutragen. Da können Rust und Cohle noch so spannende Charaktere sein, wenn das gesamte Umfeld keinerlei Substanz oder erzählerischen Mehrwert besitzt, ist das ein Problem.
Die Frauenproblematik ist für mich aber nochmal wesentlich krasser, weil man eben gleichzeitig zu dem Fouks auf den beiden Protagonisten und all dem Seelenstriptease, den die durchmachen noch diese zentrale Thematik hat, das Rust sich als Beschützer und Retter der verlorenen Frauen und Kinder berufen fühlt. [...] Er benimmt sich dabei, auch wenn er es selbst nicht hören wollen würde wie ein Knight in shinig armor, interessiert sich aber eben überhaupt nicht für die Personen als solche.
Das Gefühl hab ich eigentlich weniger, dass Rust den Helden geben will. Für mich ist er wirklich eher "natural police" wie eben auch McNulty, in dem Sinne, dass ihm die Arbeit an sich einfach im Blut liegt, während er in allen anderen Bereichen des Lebens verloren ist und entsprechend einfach nicht anders kann, als sich in die Fälle zu flüchten. Ihm sind die Opfer an sich, glaube ich, relativ egal, er wirkte am Tatort von Dora Dingens und in anderen Situationen, in denen sie mit Gewalttaten an Frauen und Kindern konfrontiert waren, ja auch wesentlich gefasster und unberührter als Marty. Letzterer sieht sich IMO viel, viel mehr als der große "damsels in distress"-Beschützer, was sich ja auch in seinem zweifelhaften Frauenbild und der großzügigen "Spende" an die Prostituierte in der zweiten Folge widerspiegelt.
Das Thema als verbindendes Element oder auch Leitmotiv für diese Staffel wäre an sich nicht das Problem, wenn man eben nicht gleichzeitig ohne schlechtes Gewissen die Frauen hier mit der gleichen Täterrechtfertigung einsetzten würde, dass sie eben doch selber daran Schuld seien.
Und dieser Eindruck rührt eben vor allem daher, weil die Frauen alle NULL Substanz haben und man entsprechend auch keinerlei Einblick in ihre Motivation bekommt. So lässt sich halt auch nie so wirklich nachvollziehen, weshalb Marty Frauen so magisch anzuziehen scheint, und weil wir wissen, was für ein Arschloch er ist, tendiert man bei den Mädels wirklich dazu, zu denken: Selber schuld!
Die Frauen in der Serie haben bisher nur eine einzige Motivation gezeigt, sich nämlich mit großer Begeisterung (und vorallem immer auf deren Initiative hin) durchvögeln zu lassen [...] alle ganz heiß darauf es sich mal ordentlich besorgen zu lassen.
Frage: Hattest du den Eindruck, dass Maggie den Sex mit Rust "genossen" hat? Viele scheinen ja ihr "Gestöhne" als ultra-schnellen Orgasmus interpretiert zu haben, während ich da (zumindest beim ersten Sehen) eher unangenehme Vergewaltigungsassoziationen hatte. Ich hatte das Gefühl, dass Rust Maggies Absichten sofort durschaut hat und sie entsprechend sehr viel härter rangenommen hat, als sie es wollte, um sie gewissermaßen zu "bestrafen"...
Das schreit für mich einfach so sehr nach männlicher Wunschvorstellung, die aber aufgrund des ultraernsten Settings auch noch als total realistisch dargestellt wird.
Hattest du den Artikel von Tom Hawking gelesen? Der meint ja, dass die Story wirklich nur aus der Perspektive der beiden Männer erzählt wird und entsprechend gefärbt ist, was den Eindruck der reinen Wunschvorstellung erklären würde. Ich hab an der Theorie aber so meine Zweifel, weil ich bislang das Gefühl hatte, dass Rust und Marty im Gespräch mit den Cops zwar unzuverlässige Erzähler sind, wir als Zuschauer aber immer die Bilder gesehen haben, die auch wirklich der Realität entsprechen.
Auch dass Maggies einziger weg aus ihrer Ehe der ist, Marty mit Rust zu betrügen ist für mich völlig uschlüssig.
Das war für mich auch ne völlig dämliche Aktion, die Maggies Funktion als reines Plot-Device zementiert hat, weil ihre Rolle damit (wie du schon sagtest) im Grunde völlig darauf reduziert wird, die beiden Männer auseinanderzubringen. Ich hab in der Szene auch wirklich bloß "Sie wird doch hoffentlich nicht..." vor mich hingemurmelt, bis sie ihn tatsächlich küsst und ich bloß noch genervt stöhnend mit dem Kopf schütteln konnte.
Geht man da mal ganz großzügig heran, dann soll es vielleicht wirklich rüberbringen, dass die Männer in einer völlig einseitigen Weltssicht gefangen sind, in der die Frauen wirklich nur Opfer sind [...] Diese Beschränktheit führt zum eigenen Verfall dieser Männer, aber transportiert diese Serie das wirklich? Ist es nicht eher ein Bild, in der die Frauen es nicht anders verdient haben, wo sie doch so gemein sind und ihre armen Männer ständig zum Tampon-Kaufen schicken?
Ich glaube mittlerweile ja wirklich, dass die Serie keine Misogynie propagieren will, sondern dieses auffallend eindimensionale Frauenbild in der Serie vielmehr bewusst geschaffen wurde und auch einem Zweck dienen soll, ich hab bislang bloß keinerlei Ahnung welchem. Denn es kommt für mich einfach überhaupt (noch?) nicht rüber, was uns die Serie damit (Neues) sagen will. Ich meine, dass Männer Arschlöcher sind, weil sie Frauen wie Dreck behandeln, kann doch wohl nicht alles sein? Das gab's doch schon in zig anderen Formaten, die auch die andere Seite der Medaille zu beleuchten wussten und entsprechend ein sehr viel komplexeres und interessanteres Bild dahingehend gezeichnet haben.

Wobei ich dazusagen muss, dass mein Problem mit "True Detective" auch sehr viel damit zu tun hat, dass dieses Genre, in dem toughe Männer nach Vergewaltigern und Frauen- und/oder Kindermördern jagen, für mich einfach schon furchtbar alt und ausgelutscht ist. Ich kann's und will's einfach nicht mehr sehen, weil ich mir auch sicher bin, dass die Dauerverbreitung solcher Stories maßgeblich dazu beiträgt, dass man sich als Frau nie sicher fühlt, wenn man nachts irgendwo allein unterwegs ist. Mir geht's da so ein bisschen wie Mandy Patinkin, der ja aus "Criminal Minds" ausgestiegen ist, weil er mit der permanenten Gewalt gegen Frauen in der Serie irgendwann einfach nicht mehr klargekommen ist. Aus demselben Grund fand ich auch "The Fall", "Hannibal" und "Top of the Lake" zum Teil echt schwer anzusehen, aber da wurde inhaltlich zumindest ein völlig anderer und daher auch interessanter Ansatz gewählt, der dem Ganzen eine Daseinsberechtigung gegeben hat. "True Detective" beschreitet für mich hingegen lediglich in stilistischer Hinsicht neue Wege, während die Story an sich (und eben die Zeichung der Nebencharaktere) furchtbar klischeebeladen bleibt. Entsprechend frag ich mich auch schon seit längerem, gerade weil der Fokus so sehr auf Rust und Marty liegt, ob man ihre Geschichte nicht auch in einem völlig anderen Rahmen hätte erzählen können...
Die Machart ist definitiv ansprechend, sonst wäre ich wohl auch schon lange raus, aber es fehlt doch für mich einiges.

Mit einem guten Ende, was thematisch die Geschichte gut zum Abschluss bringt, kann man da sicher noch einiges rausholen. Aber due ganz große Liebe wird es bei mir und TD wohl nicht mehr werden.
Dito.

ETA:
manila hat geschrieben:Die Louisiana State Police in den 90ern war ganz sicher so eine Männerwelt. Die Südstaaten sind und bleiben ein Ort, wo diese Männerwelt wirklich existiert und problemlos inszeniert werden kann - das hat bis zu einem gewissen Grad natürlich auch viel mit Klischees zu tun, aber das Frauenbild ist sicherlich immernoch von diesem Stereotyp der Southern Belle geprägt (leider). Das schlägt sich dann in diesen stereotypischen Frauenrollen nieder.
Klar geht's hier um eine Männerwelt, aber das ist in Serien wie "Mad Men", "The Wire" oder auch "Deadwood" im Prinzip genauso. In denen gibt's aber auch eine handvoll Frauenfiguren, die nicht bloß als Statisten oder Plot-Device dienen, sondern vielmehr durch ihre völlig andere Perspektive, die sie mitbringen, zu einem wesentlich vielschichtigeren Portrait dieser Männerwelt beitragen.
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manila
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von manila »

So, schaut hier auch jemand Staffel 2? :)

Ich bin ja wirklich noch total hin- und hergerissen. Es ist wahnsinnig schwierig, einigermaßen neutral an die zweite Staffel heranzugehen, weil man zwangsläufig immer mit Staffel 1 Vergleiche zieht. Insofern stand S2 schon von Vornherein im Schatten von S1 - wobei ich finde, dass es gute wie auch weniger gute Elemente bislang in S2 gibt.

Was mir fehlt, ist ganz klar das Kaliber McConaughey bzw. diese Duo-Dynamik, die mMn ja so großartig zwischen Cohle und Hart war. Das hat in #2.02 durchaus mal zwischen Velcoro und Bezzerides aufgeblitzt, aber davon ist man insgesamt noch weit entfernt. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass man halt S1 auch nicht kopieren sollte. Insofern versucht S2 schon, sein eigenes Ding zu drehen, aber für mich funktioniert das einfach noch nicht so gut.

Vaughn hat für mich (noch?) nicht die Präsenz eines McConaughey (siehe Intro #2.02 mit der Rattengeschichte - für mich ein fehlgeschlagener Versuch, Frank wirkliche Tiefe zu verleihen), auch wenn er seine Sache schon solide macht. Farrell bekommt derzeit noch nicht das Material, um sich zu beweisen. Kitsch hat mit diesem Woodrugh ja mal eine ziemlich undankbare Rolle erhalten (mit dem weiß ich noch gar nichts anzufangen) und konnte dementsprechend auch noch nicht glänzen. Einzig McAdams gefällt mir bislang sehr gut, aus Bezzerides könnte noch was werden, da ist auch noch eine nicht ganz uninteressante Hintergrundgeschichte.

Apropos Hintergrundgeschichte: Die Informationsverteilung ist mir bisher auch noch viel zu unausgegoren. Irgendwie "will" ich gar nicht so viele Informationen. Die Exposition ging ja wirklich Schlag auf Schlag, gleich alle Karten auf den Tisch, was die Charaktere angeht. Wo bleibt das Geheimnisvolle? Genauso der Mordfall: Das funktionierte in S1 mit dem Mysterium um The Yellow King für mich viel viel besser, weil man nie wusste, was nun stimmt und was nicht, welcher Information man trauen kann, welcher nicht. S2 geht mir bislang noch zu sehr nach Schema F vor in diesem Bereich.

Zur Regie: Ich vermisse Cary Fukunaga! Für mich baut Justin Lin noch keine richtige Atmosphäre auf - oder wie seht ihr das?



Dazu übrigens ein super Artikel in der L.A. Times:
The TV we deserve? 'True Detective' season 2 and the age of microcriticism
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von youmeandtheviolence »

Sorry, immer noch kein Interesse, mich groß zur Serie zu äußern. ;)

Aber: für den Fall, dass es dem einen oder anderen genauso geht wie mir und er Probleme hat, die ganzen Charaktere, Storylines und Verschwörungen unter einen Hut zu bringen, ist hier eine wunderbare Zusammenfassung, sozusagen als Vorbereitung aufs Staffelfinale. ;)
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von manila »

youmeandtheviolence hat geschrieben:Sorry, immer noch kein Interesse, mich groß zur Serie zu äußern. ;)
Was, wie ich finde, schon an sich viel sagt :D
youmeandtheviolence hat geschrieben:Aber: für den Fall, dass es dem einen oder anderen genauso geht wie mir und er Probleme hat, die ganzen Charaktere, Storylines und Verschwörungen unter einen Hut zu bringen, ist hier eine wunderbare Zusammenfassung, sozusagen als Vorbereitung aufs Staffelfinale. ;)
Haha, sehr gut, danke dafür! Zeigt für mich auch eine der zentralen Schwächen dieser Staffel, nämlich die totale Unübersichtlichkeit sämtlicher Verbindungen in diesem Fall.

Habe gestern endlich die Staffel zu Ende geguckt und muss erstmal meine Gedanken ordnen - bin total unschlüssig, was ich von dem ganzen halten soll.
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Schnupfen »

Da man ja so viel Gutes über die Serie hörte, habe ich dann doch mal in den Piloten geschaut. Dann wurde aber schnell deutlich, dass das nicht meins ist. Ich mag solche "Schweigen der Lämmer"-Ritual-Fetisch-Morde nicht und zudem war mir das Ganze zu langsam erzählt. Da hab ich lieber schnell ausgemacht als mich dadurch zu quälen... Qualität sprech ich der Serie nicht ab, aber es ist nicht meins.
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Celinaaa »

Schnupfen hat geschrieben:Ich mag solche "Schweigen der Lämmer"-Ritual-Fetisch-Morde nicht und zudem war mir das Ganze zu langsam erzählt. Da hab ich lieber schnell ausgemacht als mich dadurch zu quälen...
So ging's mir auch. Nur leider habe ich den Fehler gemacht, mich durch die komplette 1. Staffel durchzuquälen. Das fand ich damals folglich als riesengroße Zeitverschwendung, weshalb ich es bisher auch nicht über mich gebracht habe, auch nur eine Minute der 2. Staffel anzusehen. Und ich werde es wohl auch nicht tun.
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Fredora »

manila hat geschrieben: Haha, sehr gut, danke dafür! Zeigt für mich auch eine der zentralen Schwächen dieser Staffel, nämlich die totale Unübersichtlichkeit sämtlicher Verbindungen in diesem Fall.

Habe gestern endlich die Staffel zu Ende geguckt und muss erstmal meine Gedanken ordnen - bin total unschlüssig, was ich von dem ganzen halten soll.
Ich habe die Staffel unter "gut gemeint" abgespeichert. Die Schauspieler waren nicht wirklich schlecht und auch die Charaktäre waren nicht unbedingt uninteressant. Die schreckliche Story aber, und die absurde Aneinanderreihung von irrelvanten Ereignissen und Figuren haben die zweite Staffel kaputt gemacht.

Nichtsdestotrotz soll HBO dem Showrunner nun eine dritte Staffel angeboten haben (die Quoten waren wohl ganz ordentlich) und ihm dazu geraten haben sich Unterstützung beim Schreiben zu holen. Scheinbar war in Staffel 1 der Regisseur noch eine hilfreiche Konstante, mit dem sich der Autor dann aber überworfen und in Staffel 2 auf multiple Regisseure gesetzt hat..

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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von manila »

Fredora hat geschrieben:Nichtsdestotrotz soll HBO dem Showrunner nun eine dritte Staffel angeboten haben (die Quoten waren wohl ganz ordentlich) und ihm dazu geraten haben sich Unterstützung beim Schreiben zu holen. Scheinbar war in Staffel 1 der Regisseur noch eine hilfreiche Konstante, mit dem sich der Autor dann aber überworfen und in Staffel 2 auf multiple Regisseure gesetzt hat..
Erstmal: Willkommen bei uns im Forum :)

Interessant ist, dass ja von HBO bzgl. Staffel 3 noch nichts festgelegt wurde. (wobei ich eigentlich schon mit der Verlängerung rechne)

Sollte der Regisseur aus Staffel 1, Cary Fukunaga, für Staffel 3 nochmal in ähnlicher Form wie in Staffel 1 zurückkommen, nämlich dass er die ganze Staffel inszeniert, wäre das natürlich der Hammer, denn er war sicherlich einer der maßgeblichen Gründe dafür, dass S1 so fantastisch war.
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von Fredora »

manila hat geschrieben:
Fredora hat geschrieben:Nichtsdestotrotz soll HBO dem Showrunner nun eine dritte Staffel angeboten haben (die Quoten waren wohl ganz ordentlich) und ihm dazu geraten haben sich Unterstützung beim Schreiben zu holen. Scheinbar war in Staffel 1 der Regisseur noch eine hilfreiche Konstante, mit dem sich der Autor dann aber überworfen und in Staffel 2 auf multiple Regisseure gesetzt hat..
Erstmal: Willkommen bei uns im Forum :)

Interessant ist, dass ja von HBO bzgl. Staffel 3 noch nichts festgelegt wurde. (wobei ich eigentlich schon mit der Verlängerung rechne)

Sollte der Regisseur aus Staffel 1, Cary Fukunaga, für Staffel 3 nochmal in ähnlicher Form wie in Staffel 1 zurückkommen, nämlich dass er die ganze Staffel inszeniert, wäre das natürlich der Hammer, denn er war sicherlich einer der maßgeblichen Gründe dafür, dass S1 so fantastisch war.
Lieben Dank Manila! :)

Das fände ich wohl auch große Klasse! Fukunaga wie auch Pizzolatto sollen wohl grundverschiedene Sturköpfe in ihren Visionen sein, die gemeinsam jedoch Wunder verbringen. Es bleibt wirklich spannend, ob es da eine Einigung geben wird.

HBO selber soll Pizzolatto angeblich drei Optionen angeboten haben:
http://collider.com/true-detective-seas ... izzolatto/

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manila
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Re: True Detective [HBO]

Beitrag von manila »

Fredora hat geschrieben:HBO selber soll Pizzolatto angeblich drei Optionen angeboten haben:
http://collider.com/true-detective-seas ... izzolatto/
Ah danke, interessant! Da bin ich ja mal gespannt, was bei rauskommt... :)
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