Staffel 7 - Episodendiskussion

Moderatoren: Schnurpsischolz, nazira

Zarina
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Folge 13 The Milk and Honey Route

Beitrag von Zarina »

Nur noch eine Folge!!! Oh mein Gott, wie soll man denn die offenen Handlungsstränge noch zu einem würdigen Abschluss führen? Diesmal waren Peggy, Roger und Joan ja nicht einmal dabei, meiner Meinung nach hätte man die Handlung in der Folge zuvor etwas straffen sollen. Nun befürchte ich, dass die letzte Folge dagegen übervoll wird...

Diese Folge dagegen fand ich genau richtig. Es gab sehr viel Stoff zum Nachdenken, obwohl sich die Handlung auf drei Stränge - Dons, Petes und Bettys - beschränkte.

Zunächst vielleicht das Heftigste: Betty. Ich war vorab gespoilert und wurde daher nicht von ihrer Krebserkrankung aus den Schuhen gehauen. Traurig war es natürlich trotzdem, es flossen ein paar Tränen vor allem in der Szene, in der Sally es von Henry erfährt. Im Rückblick fiel stark auf, wie präsent das Thema Krebs bzw. Sterben von Beginn an in Bettys Handlungsbögen war. Bereits in der ersten Folge "Smoke gets in your Eyes" ging es ja um Dons Arbeit für die Tabakindustrie und die Frage, wie die Gesundheitsproblematik durch das Rauchen geschickt von den Werbern umschifft werden kann ("It`s toasted.") In der kompletten ersten Staffel und teilweise auch danach war Betty stark durch den kurz zurückliegenden (Krebs-)Tod ihrer eigenen Mutter geprägt und traumatisiert. In Staffel 5 musste sie sich sogar bereits offen mit der Möglichkeit einer lebensbedrohlichen Tumorerkrankung (damals der Schilddrüse) auseinandersetzen, ich erinnere mich daran, dass sie damals hysterisch Don anrief, dass sie Visionen davon quälten, dass niemand sie vermissen würde, wenn sie sterben würde und auch an das Gespräch mit ihrer krebskranken Freundin, bei der sie sich erkundigte, wie sich das anfühlt, wenn man weiß, dass man bald sterben wird.
Sogar in Staffel 6 kam das Thema auf, als Sally die Beerdigung der Mutter einer Mitschülerin besuchte. Ich weiß noch, wie abfällig sich die Mädchen über den Zustand der toten Frau äußerten und dass Sally sogar leichthin sagte, sie wünsche sich, Betty wäre tot...

Nun ist es also tatsächlich passiert und es ist alles anders als in Staffel 5. Betty hat ihren Platz im Leben mittlerweile gefunden. Mit Don hat sie mittlerweile ein vernünftiges Verhältnis, ihre älteste Tochter ist auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, sie selbst ist in einer Position, auf die sie stolz ist. Sie hat sogar ein Studium aufgenommen. Es ist sehr traurig, dass sie nun aus diesem schönen Leben gerissen wird. Andererseits muss sie sich die Sorgen wie in Staffel 5 nicht mehr machen: Sie hat eine Familie, von der sie geliebt wird. Man wird sie vermissen und in Erinnerung halten... 

Betty ist nicht hysterisch. Sie ist mittlerweile gereift und tritt dem Unausweichlichen mit erhobenem Haupt und einer Art Geschäftsmäßigkeit entgegen. Nun kann man sie dafür kritisieren, dass sie aus reiner Eitelkeit keine Chemotherapie und Operationen über sich ergehen lassen will. Ich kann sie allerdings absolut verstehen und empfinde das keineswegs als eitel. Henry wirft ihr vor, dass sie nicht kämpfen will und will Sally die unglaublich große Bürde auferlegen, Betty zu solchen Maßnahmen zu überreden, damit sie ein paar Monate länger bei ihren Kindern sein kann. Betty hat jedoch den Verlauf der Erkrankung bei ihrer eigenen Mutter gesehen und weiß auch von ihrer Freundin aus Staffel 5, wie kräftezehrend dieser Weg ist. Ich finde, es ist allein ihre Entscheidung, sich selbst diese Schmerzen und die Krankenhausaufenthalte zu ersparen, unter denen ihre Kinder ja auch leiden müssten, ohne dass es am Unausweichlichen etwas ändert.

Dass sie nicht möchte, dass Sally sie sterben sieht, kann ich ebenfalls verstehen und halte es nicht für Eitelkeit: Sie hat es bei ihrer eigenen Mutter miterlebt, sie möchte ihren Kindern diese Erfahrung so stark erleichtern, wie es nur irgend möglich ist. Sally soll sie möglichst so in Erinnerung behalten, wie sie jetzt ist, nicht am Ende all ihrer Kräfte.

Ich finde es sehr bewundernswert, mit welcher Konsequenz sich Betty hier entscheidet, ihr Leben weiterzuleben, solange es geht. Sehr stark die Antwort auf die Frage, ob sie wirklich weiterhin zum Studium gehen will. "Warum habe ich es denn bisher getan?" Richtig, sie hat das Studium ja nicht aufgenommen, um später als Therapeutin zu arbeiten, sondern darum, um für sich selbst etwas zu tun, was sie intellektuell fordert und bei dem sie sich gut fühlt. Und das soll sie weiterhin tun, solange es geht.

Sally muss nun schlagartig erwachsen werden. Man sieht es ja schon in der Szene mit Henry, dass dieser sie offenbar schon für fähiger hält als sich selbst, Betty von möglichen Behandlungsmethoden zu überzeugen. Und auch Betty selbst vertraut Sally in ihrem Brief  die Planung ihrer Beerdigung an. Beide halten sie offenbar nicht mehr für ein Kind. Und auch von Sally selbst gibt es in dieser Folge eine Szene, in der sie sich in der Küche um ihre Brüder kümmert und somit ganz natürlich die Position ihrer Mutter einnimmt und die Verantwortung übernimmt. Ihr Leben soll ein Abenteuer sein, wünscht sich Betty für Sally in ihrem Brief. Ungewohnte Töne von der strengen, verkniffenen Betty. Und auch das "Ich liebe dich" am Ende des Briefes... Ich glaube, das ist das erste Mal in der Serie, dass Betty das zu ihrer Tochter sagt...

Don wiederum ist ahnungslos weiter auf seinem Road Trip quer durch die USA. Diesmal ist es aber nicht so wie damals, als er sang- und klanglos drei Wochen in Kalifornien verschwand. Don hat sich stark weiterentwickelt, was man in dieser Folge ganz klar gezeigt bekommt. Er bleibt mit Sally und seinen Söhnen telefonisch in Kontakt, endlich hat er erkannt, wie wichtig seine Kinder sind.
Und dann die unglaubliche Szene bei den Veteranen: Mir selbst und wahrscheinlich Don erst recht fiel ein riesiger Stein vom Herzen, als er wohl zum allerersten Mal in Wort fasste, was damals mit seinem Vorgesetzten in Korea wirklich passiert ist und dass er sich selbst schuldig an dessen Tod fühlt. Das ist vielleicht der letzte Schritt einer langen Entwicklung, Don kann endlich zu seiner Vergangenheit stehen und kommt damit klar. Es fing damit an, dass er erst Rachel und später Megan von seinem Identitätswechsel berichtete. Später hat er im Büro die Maske fallen lassen und seinen Kindern das Haus gezeigt, in dem er aufgewachsen ist. Neulich konnte er bereits launige Anekdoten von Tante Abigail und Onkel Mac erzählen. Und nun das... Das ist ein riesiger Entwicklungsschritt und hoffentlich kann Don nun endlich loslassen und nach vorne schauen...
Aufgefallen ist mir auch die starke Bezug zu der Folge "The Gipsy and the Hobo" in der 1. oder 2. Staffel. Don ist diesmal selbst der Hobo, der alles Materielle hinter sich lässt, um endlich frei zu sein. Er hat in dieser Staffel seine Frau verloren, seine Wohnung, viel Geld verschenkt (1 Mio.-Dollar-Scheck), seinem Job den Rücken gekehrt. Nun verschenkt er auch noch sein Auto und sitzt am Ende an der Bushaltestelle wie Hans im Glück: Frei von Besitz und glücklich...

Bleibt noch Pete: Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis, dass ich mich natürlich sehr, sehr freue, dass es nun so aussieht, als kämen Pete, Trudy und Tammy wieder zusammen. Allerdings ging mir das Ganze viel zu schnell. Da hat man sehr, sehr deutlich gespürt, dass die Serie sich dem Ende neigt und jetzt "einfach mal fertig werden muss". Eine schrittweise Annäherung hätte ich viel glaubwürdiger gefunden. Gut, es wurde zumindest klar gesagt, dass Pete seine Tochter mittlerweile zweimal die Woche sieht und seine Sache als Papa wohl durchaus ordentlich macht. Was ich persönlich auch gerne etwas ausführlicher gesehen hätte. Vor ein paar Folgen hat sich Tammy noch hinter ihrer Kinderfrau vor Pete versteckt und nun ist er auf einmal ihr Held. Da wäre zumindest eine hübsche Vater-Tochter-Szene angebracht gewesen, die ein paar Zwischenschritte illustriert.
Witzig empfand ich die Entwicklung mit Duck Phillipps, der Pete ja förmlich in den Learjet-Job reinquatscht, obwohl dieser dies vehement ablehnt. Und nach der Ablehnung wird das Angebot sogar noch weiter aufgestockt und verbessert. Pete Campbell - zum Erfolg verdammt! :D Toll, dass es so gut für Pete läuft und ebenso toll, dass er sich endlich klar darüber geworden ist, was er mit Trudy weggeworfen hat. Sie war es, die ihn immer verstanden hat (obwohl er selbst dies mehrfach Peggy bescheinigt hat), die seine Karriere unterstützt hat und seinen Ehrgeiz als positive Eigenschaft wahrgenommen hat. Sie waren ein tolles Team, schön, dass Pete das nun endlich erkennt. 
Auch hier könnte man natürlich rumnörgeln, dass sich Pete und Trudy in erster Linie deshalb füreinander entscheiden, weil ihnen die Trennung kein Glück gebracht hat. Und das stimmt ja auch, sowohl Pete als auch Trudy haben dies in den vergangenen Folgen so formuliert: Sie konnten nicht einfach so eine neue große Liebe finden, der Alltag als Single war schwer und teilweise zermürbend. Das mag vielleicht unromantisch sein, letztlich ist es aber doch realistisch und "nicht mehr so dumm" (wie Pete es ausdrückt). Sie haben versucht, allein klar zu kommen, mussten aber ein zu dem Schluss kommen, dass sie als Paar besser funktionieren. Bzw. als Familie und ich würde mich sehr freuen, wenn Pete Tammy in Zukunft ein guter Vater sein kann. Seine Ansprache an Trudy fand ich übrigens durchaus sehr romantisch, hätte ich ihm gar nicht mehr zugetraut...

Zarina
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Folge 14 "Sie erkannten einander"

Beitrag von Zarina »

Oh Mann, letzte Folge. Merkwürdiges Gefühl. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass es noch lange weitergehen könnte, ein richtiger Abschluss war das jedenfalls nicht wirklich. Dies ergibt aber auch Sinn für eine Serie, die nie linear verlief. Stets hat man die Charaktere nur wenige Tage begleitet, in der Folge darauf waren teilweise Wochen oder Monate vergangen. Es waren immer nur kurze Einblicke in den Werdegang der Charaktere, vieles musste man sich dazudenken oder assoziieren. Und so ist es auch in der letzten Folge: Alles ist im Fluß, man hat eine Ahnung, dass alle Charaktere ihren weiteren Weg finden werden, aber dies ist kein Zenit oder Hollywood-Happyend.

Insgesamt sieht es für die einzelnen Charaktere aber ganz gut aus und das freut mich persönlich sehr, denn letztlich ist man doch auf der Seite seiner Serienhelden, auch wenn man bei Mad Men natürlich nicht unbedingt von "Helden" sprechen kann... Aber, hey, Ihr wisst was ich meine: Ich habe mir einfach gewünscht, dass es gut ausgeht... :)

Was ich an dieser Folge persönlich ziemlich nervend fand, war die Omnipräsenz des Telefons. So ziemlich alle wichtigen Gespräche wurden am Telefon geführt. Bei Don ging es ja nicht anders, der ist ja räumlich weit weg vom restlichen Geschehen, aber dass sich die Serienmacher offenbar gedacht haben: Hey, machen wir ein Stilmittel draus und lassen z.B. Peggy und Stan einander ebenfalls am Telefon ihre Liebe gestehen. Nein, das empfand ich als unpassend... :roll:

Aber zu den einzelnen Charakteren:

Pete:
Ganz ehrlich, rückblickend auf all den Mist, der Pete im Laufe der Staffeln widerfahren ist (und den er selbst verzapft hat), war ich ja stets der Meinung, dass die Serienmacher diese Figur hassen. Ich hatte es Weiner und Co. sehr wohl zugetraut, dass sie Pete am Ende der Serie elend zugrunde gehen lassen. Insofern wurde ich hier extrem positiv überrascht, denn Pete bekommt ein Traumende mit Zuckerguss und Extra-Schlagsahne obendrauf. Eine echte Chance für einen Neubeginn in einer anderen Stadt, er bekommt endlich die berufliche Anerkennung, nach der er sich immer so verzweifelt und verbissen gesehnt hat, mit einem echten Traumjob im Management von Learjet. Und er geht nicht allein, sondern kriegt eine zweite Chance von seiner Frau und seiner Tochter, die ihn strahlend begleiten. Ich wünsche den dreien, dass sie glücklich in Kansas werden. Wichita ist nicht New York, aber es ist auch nicht die Provinz. Es ist eine kleine Großstadt, in der auch eine Großstadtpflanze wie Pete Campbell nicht eingehen dürfte, aber ohne die Versuchungen und Laster von New York und der Werbeindustrie. Und das lässt hoffen, dass Pete es diesmal nicht vor die Wand fährt, sondern Trudy treuer sein kann. Dass sie es merken würde, wenn er wieder Mist baut, hat er ja mittlerweile kapiert, ich drücke die Daumen, dass ihm seine Familie jetzt wichtiger ist als irgendeine Gelegenheit ...
Schön fand ich Petes letztes Gespräch mit Peggy. Er zeigt ihr seine schäbigen Abschiedsgeschenke, ein oller Kaktus und ein paar selbstgebackene Kekse. Der alte Pete Campbell hätte sich darüber ziemlich aufgeregt. Doch Pete kann jetzt über solchen Kleinigkeiten stehen, er präsentiert Peggy die Sachen mit viel Ironie und lässt ihr den Kaktus da. Es ist einfach ein freundliches Abschiedsgeschenk zwischen alten Kollegen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Roger:
Das Gespräch zwischen Joan und Roger hat mir auch sehr gut gefallen, vor allem natürlich, dass er den gemeinsamen Sohn in sein Testament aufnimmt und Joan ihm offenbar auch erlaubt, Zeit mit Kevin allein zu verbringen. Dass seine dritte Ehefrau nun ausgerechnet Megans Mutter sein muss, na ja. Es gibt Schlimmeres. Mit der wird es Roger aber bestimmt nicht so schnell langweilig.

Joan:
Habe ich das recht verstanden: Joans eigene Firma nennt sie "Holloway Harris", also ihre eigenen Namen. Sehr cool. Die Idee, mit Peggy eine neue Firma zu gründen hat mir aber auch sehr gut gefallen und wäre eine hübsche Entwicklung gewesen. Gut fand ich jedenfalls, dass Joan ihren neuen Freund (Richard?) gehen lässt. Ich hatte sowieso schon kein gutes Gefühl bei dem Typ, als er am Anfang schon nicht begeistert war, dass Joan Mutter ist. Nun wollte er ihr ihre Berufstätigkeit am liebsten ausreden, und das geht ja nun wirklich nicht. Joan hat hier die richtige Entscheidung getroffen, indem sie sich nicht mehr von Männern reinreden lässt.
Dass Joan einen extrem guten Sinn für`s Geschäft, für Buchhaltung und Kundenakquise hat, hat man seit Staffel 1 immer wieder gesehen, ich bin überzeugt davon, dass sie erfolgreich sein wird.

Peggy:
Das plötzliche Liebesgeständnis zwischen Peggy und Stan in der allerletzten Folge war mir persönlich zu Hollywood-Klischee-mäßig. Wie so eine Kate-Hudson-Beziehungskomödie... Andererseits gönne ich Peggy natürlich, dass sie auch einen lieben Freund abbekommt und hoffe, dass die beiden glücklich zusammen werden. Auf alle Fälle gefällt mir die damit verbundene berufliche Entwicklung von Peggy ausgezeichnet. Nachdem sie in der gleichen Folge noch Stan einen "Loser" genannt hat, nur weil er Arbeit und Karriere nicht die oberste Priorität einräumt, geht die sonst so verbissen ehrgeizige Peggy noch einmal in sich. Am Ende setzt sie ihre Prioritäten auch anders. Sie schlägt Joans Angebot aus, und damit die Chance, ihr eigener Chef zu sein, und behält ihren normalen Job im Getriebe von McCann. Wie wir von ihrem Karriereberater wissen, hat sie dort auch glänzende Aussichten, es wird aber vielleicht ein bisschen länger dauern, bis "alle auf sie hören müssen", wie Stan es ausdrückt. Hoffentlich kann ihr Stan zeigen, dass sie das Leben auch mal genießen darf, statt immer nur auf der Überholspur unterwegs zu sein und alles der Karriere unterzuordnen. Diese letzte Folge lässt mich dies zumindest hoffen.

Sally/Betty:
Sally ist der einzige Charakter, um den ich mir nach dem Finale etwas Sorgen mache. Ich hoffe sehr, dass sie nach der Verantwortung für die todkranke Mutter als nächstes nicht auch diejenige für ihre kleinen Brüder übernimmt und dass die Reise nach Madrid nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist. Sallys Leben soll ein Abenteuer sein, wie Betty es sich zuletzt gewünscht hat und ich hoffe sehr, dass dies auch so wird, dass Sally reisen, vielleicht studieren und ihr Leben genießen wird. Leider gibt das Finale darauf keinen Hinweis.
Sehr herzzerreißend fand ich übrigens, dass Bobby von Bettys Krankheit wusste und zwar nicht, weil man ihn einbezogen hat, sondern weil er Betty und Henry darüber streiten gehört hat. Nach dem Serienfinale ist auch völlig offen, wo die Kinder nach Bettys Tod nun wirklich leben werden. Dass sie bei Don nicht besonders gut aufgehoben wären, leuchtet hoffentlich auch ihm ein. Ob es am Ende aber wirklich nach Bettys Wunsch, ihr Bruder sein wird, bei dem die Kinder wohnen werden (wohlgemerkt, der Bruder, über dessen Kinder Betty stets lästerte, wie schlecht erzogen diese seien...), oder ob vielleicht Henry und Don sich einigen können und die Jungs bei Henry bleiben können, wie Sally es sich vorstellt?

Don:
Dons Aufenthalt in diesem Hippie-Bewusstseins-Öffnungs-Zentrum-Dings mochte ich nicht besonders, war teilweise ein bisschen zum Fremdschämen. Dass es mit dem vielgepriesenen absolutem Verständnis dort nicht sehr weit her ist, hat man ja an Stephanie gesehen, die sich dort ebenso wie außerhalb großer Verachtung ausgesetzt sah und deshalb fluchtartig die Unterkunft verließ.
Dass Don nach dem Telefonat mit Peggy hyperventilierte, ließ natürlich auch einige Sorgen aufkommen darüber, wie diese letzte Folge nun ausgehen würde. Aber dann kam ein eigentlich toller Twist.
Don, der ewige Skeptiker, ist im Seminar der einzige, der aufsteht und den weinenden Mann umarmt, welcher doch eigentlich materiell alles hat (Job, Familie, ein Zuhause), aber sich doch nie gesehen und geliebt fühlen kann. Natürlich ist genau dies auch immer Dons (oder vielmehr Dicks?) Problem gewesen. Don, der eben noch körperlich zusammengebrochen ist (und nach dem Telefonat mit Betty auch wieder seine Flucht im Alkohol gesucht hat, lässt sich dann zumindest oberflächlich auf die ganze Sache mit der Hippiebewegung ein und in der letzten Szene sehen wir einen Don, der zu sich selbst gefunden zu haben scheint.
Dann die Coca Cola-Werbung. Im Internet findet man haufenweise Diskussionen darüber, ob die Serienmacher hier "andeuten" wollen, dass Don der Schöpfer dieses Werbespots sein könnte. Ich finde, für eine Serie, die öfter wirklich nur Andeutungen macht, ist die Sache hier sehr sehr eindeutig: Don wird nicht bei den Hippies bleiben. Es ist wie Roger und Peggy in der Folge sagen: Er kommt immer wieder zurück; er wird bei McCann gern wieder zurückgenommen und Coca Cola wartet dort auf ihn.
Der Werbespot stammt von 1971, die letzte Folge spielt im Jahr 1970. Der Spot stammt tatsächlich von der echten Werbeagentur McCann Erikson. Und, wem das alles noch nicht reicht, mehrere Darstellerinnen im Werbespot tragen zwei geflochtene Zöpfe mit eingeflochtenen roten Bändern, exakt wie das Mädchen an der Rezeption, mit der Don in der Folge spricht. Das alles ist für mich keine Andeutung mehr, das ist Gewissheit.
Don hat sich hier nicht endgültig von Konsum und Kapitalismus abgewandt, er nimmt aus seinem Urlaub in der Hippie-Welt nicht die spirituelle Erleuchtung mit, sondern die geniale Idee für einen populären Coca Cola-Spot. Das mag irgendwie zynisch sein, aber alles andere wäre für einen Mann, der stets damit prahlte, dass "Liebe" nur ein Wort sei, dass sich Leute wie er ausgedacht haben, um mehr Nylons zu verkaufen, doch zu sehr out of character. Man kann jetzt natürlich immernoch viel spekulieren: Hat Joans Produktionsfirma den Spot mitproduziert und welchen Anteil hatten Stan und Peggy bei der Entwicklung der Idee und beim Dreh...

Ich persönlich freue mich, dass es für ihn in der Werbewelt weitergehen wird. Denn so ist das bei "Mad Men" auch in der letzten Folge: Es ist nur ein Ausschnitt aus dem Leben der Charaktere, es ist kein Zenit, es geht immer weiter.... Und das ist doch eine schöne Vorstellung.

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