Eure Meinung zu #3.04 Das große Spiel

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Schnupfen
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Eure Meinung zu #3.04 Das große Spiel

Beitrag von Schnupfen »

Weiter gehts mit der vierten Folge der 3. Staffel: "Das große Spiel". Eure Meinung?

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Viel Spaß beim Diskutieren!



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Hier meine Meinung:

Obwohl weiterhin einige Klischees bedient werden, man noch nicht vom Soap-Niveau abgerückt ist und einige Charaktere weiterhin/wieder out of character agieren (diesmal v.a. Joey als Blaumacherin), ist 3.04 eine Episode, die man "okay" oder "befriedigend" finden kann.
3.03 bezeichnete ich letzte Woche als bisher beste Epi der Staffel (was immer noch kein Lob war); 3.04 ist noch ein Stück besser - v.a. dadurch, dass auf alte DC-Qualitäten gesetzt wurde: Zwei schöne Lieder, sentimentale Szenen (D/J), Philosophieren übers Leben (D/J) und den schönen Mix aus Liebe und Hass bei P/J.

Jene zwei Konstellationen sorgten für die für mich stärksten Momente: P/J und die symbolträchtige "True Love", die jedes PJler-Herz höher schlagen lässt, und D/J, die sich auf ihre Freundschaft zurückbesinnen (auch wenn ich das Video-Auftauchen etwas konstruiert finde).
Was haltet ihr a) von Dawsons Rat-Suchen bei Joey und b) von seinem "Dankeschön"?

Außerdem stark: Der Konflikt zwischen den Leery-Männern. Was denkt ihr, worum ging es da nun wirklich? Was war/ist deren Problem? Wurde alles geklärt zwischen den zwei?

Auch wenn ich Andies Aktion nicht schön fand, wurde sie doch heute nachvollziehbar begründet in ihrer Rede vorm Spiegel. Und so fand ich Andie heute nicht so nervig wie sonst in der ersten Hälfe der Staffel.

Ganz nett finde ich weiterhin die Story um Henry und Jen, wobei ja noch nicht viel passiert ist.
Dass Jen nun HQ ist, ist natürlich lustig und passt zu ihrer bisher sehr humorvoll angelegten Rolle in der Staffel, dennoch ist es mir zu sehr konstruiert und zudem wieder viel zu viel Klischee.

Diese zwei Prädikate passen auch auf Jacks Geschichte: War letztens noch Contra in den eigenen Reihen ihm gegenüber zu spüren, merken wir nun gar nichts mehr davon. Im Gegenteil: Jack und Henry geben den Ton an und keiner sagt was gegen sie, obwohl sie wegen Jack am abloosen sind. Schon komisch.

Alles in allem keine wirklich schlechte Folge, sondern eine die Hoffnung auf Besserung macht.
Zuletzt geändert von Schnupfen am 28.10.2006, 14:26, insgesamt 1-mal geändert.
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„One day at a time“

Josey*

Beitrag von Josey* »

Mir gefällt diese Folge immer wieder sehr gut. Ist zwar teilweise immernoch sehr DC- untypisch, aber daran haben wir uns ja inzwischen fast gewöhnt ;)

Das große Spiel steht bevor, Mitch muss sich als Trainer etablieren, doch seinem Erfolg steht jemand im Weg, nämlich sein eigener Sohn, der für seine Karriere einen Report über Jack, den neuen, schwulen Starspieler der Minute Men dreht und damit dem Gegnerteam einen klaren Vorteil in die Hände spielt. Dass Mitch ihm das nicht von Anfang an erklärt ist seine eigene Schuld, klar hätte Dawson das auch von alleine kapieren sollen, doch es war ja offensichtlich, dass er das nicht getan hat. Genau wie Mitch hat auch er nur an seine eigene Arbeit gedacht. Zum Glück schafft er es noch mit seiner Idee, das Spiel zu retten. Dadurch ist das Ende zwischen den beiden wieder sehr schön, genau wie das Video, das Dawson Joey dann übergibt.

Jen ist verständlicherweise genervt von ihrem Job als Anführerin der Cheerleader. Ist ja auch nicht so nett, sie ohne ihre Einwilligung "anzubieten". Die Szene vor ihrem Bett mit den Cheerleadern oder am Ende auf dem Spielfeld, als sie erfährt, dass sie die neue Homecomingqueen ist, finde ich jedes Mal wieder zum Schießen :D
Da ich ja bekennende Jen/Henry Shipperin bin, gefällt mir der Kuss sehr gut. Wenn Henry auch bei jedem Mal ansehen der Staffel mehr in meiner Gunst sinkt, mag ich ihn doch immernoch gerne und finde die Entwicklung der Beziehung der beiden in den meisten Teilen sehr schön.

Kommen wir zu Joey/Pacey. Auch die beiden wachsen immer mehr zusammen, was gottseidank nichts von der Kabbelei und den Sprüchen verlieren lässt, die die beiden sich die ganze Zeit geben. Ohne das wären sie doch ein viel weniger liebenswürdiges Pärchen :) Pacey hat also einen Namen für sein Boot gefunden "True Love", bezeichnend für die Entwicklung in dieser Staffel.

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nameless89
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Beitrag von nameless89 »

Meine Meinung zur bisher besten Folge der laufenden 3ten Season:

Die Folge fängt schon richtig toll,mit einem süßen Kindheitsvideo von Dawson und Joey,an. Einfach nur total putzig,die beiden als Kinder zu sehen.
Dann geht es mit der Hauptstoryline dieser Folge weiter: Das erste Footballspiel! Dieser Sport passt eigendlich nicht ganz in diese Serie,aber okay.

Der zweite Storyline ist aber noch um einiges besser: Joey&Pacey beim Schule schwänzen,ist einfach total lustig anzusehen,da stört auch die Tatsache nicht,das es nicht zu Joey passt einfach die Schule zu schwänzen.

Die nächste erwähnenswerte Szene ist das Aufeinandertreffen von Andie und dem Mitarbeiter der Schulbehörde. Andie ist in dieser Szene einfach nur total süß und wieder richtig Andie!

Danach folgt die beste Szene dieser Folge: Joey&Pacey auf der Straße: Ein lustiger Spruch folgt auf dem nächsten und deshalb stört es auch nicht,dass ganz zufällig gerade zu diesem Augenblick der Direktor vorbei fährt,was ich ein wenig unlogisch finde. Aber Paceys Aktion ist da wieder richtig stark,wie er aus dem Gebüsch kommt und diese Ausrede bringt. Einfach zum schreien komisch.

Als nächstes finde ich das Dawson&Joey Gespräch,wie immer richtig schön. Die beiden als Freunde zu sehen,finde ich wirklich 100mal schöner,als wenn sie zusammen sind. Joey ist in dieser Szene mal wieder richtig süß und ihre Tipps für Dawson,sind wieder richtig Season 1&2 like.

Joey und Pacey beim Direktor: Wie immer ganz große Klasse. Die beiden zusammen sind immer die besten und lustigsten DC Szenen!

Dann kommt das Spiel und es ist irgendwie schon komisch Football bei DC zu sehen,aber sooft kommt das ja dann auch nicht mehr im Laufe der Staffel. Die beste Szene ist daran,die Idee von Dawson und Jen: Der Einfall ist einfach klasse! Muss man erstmal drauf kommen. Am Ende „Überaschung“ gewinnt Capeside und Jen muss „Überaschung“ Henry küssen. Eine lustige Sache dabei ist noch,dass sich Joey und Pacey einfach verdrückt haben und die jüngeren Mitschüler dann in diesem Maskotchen stecken.

Die letzte zu erwähnenswerte Szene, ist Paceys Präsentation von seinem Schiff und Joeys Frage:

„Erbitte Elaubnis an Bord zu kommen“
„Erlaubnis erteilt“

Dieser Dialog wird ja nocheinmal am Ende auftauchen,was diese Szene zu was ganz besonderem macht! Auch hier ist wieder zu sagen: Joey&Pacey sind einfach ein absolutes Traumpaar!

Das wäre meine kurze Meinug zu dieser insgesamt gelungenen Folge,wo zum Glück keine Eve zu sehen ist!

P.S: Habe noch das Ende vergessen: Wunderschön! Mehr sage ich dazu nicht...

Josey*

Beitrag von Josey* »

nameless89 hat geschrieben: Die nächste erwähnenswerte Szene ist das Aufeinandertreffen von Andie und dem Mitarbeiter der Schulbehörde. Andie ist in dieser Szene einfach nur total süß und wieder richtig Andie!
Andie habe ich ganz vergessen, wobei ich sie hier eigentlich auch wieder sehr untypisch handelnd finde, als sie vor dem Spiegel steht und ihre Rede "übt" tut sie erst ja auch total verzweifelt, weint etc, doch dann dreht sie sich weg und ist wieder ganz tough. Also wieder einmal nur gespielt, eiskalt und ohne Reue...:ohwell:
Danach folgt die beste Szene dieser Folge: Joey&Pacey auf der Straße: Ein lustiger Spruch folgt auf dem nächsten und deshalb stört es auch nicht,dass ganz zufällig gerade zu diesem Augenblick der Direktor vorbei fährt,was ich ein wenig unlogisch finde. Aber Paceys Aktion ist da wieder richtig stark,wie er aus dem Gebüsch kommt und diese Ausrede bringt. Einfach zum schreien komisch.
Direktor Green beweist hier aber auch wieder mal seine Schlagfertigkeit, die Retoure mit dem giftigen Efeu oder die Bestrafung, als Minutemen-Maultier auftreten zu müssen, sind doch echt gut :D
Die letzte zu erwähnenswerte Szene, ist Paceys Präsentation von seinem Schiff und Joeys Frage:

„Erbitte Elaubnis an Bord zu kommen“
„Erlaubnis erteilt“

Dieser Dialog wird ja nocheinmal am Ende auftauchen,was diese Szene zu was ganz besonderem macht!
*schwärm*

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nameless89
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Beitrag von nameless89 »

Andie habe ich ganz vergessen, wobei ich sie hier eigentlich auch wieder sehr untypisch handelnd finde, als sie vor dem Spiegel steht und ihre Rede "übt" tut sie erst ja auch total verzweifelt, weint etc, doch dann dreht sie sich weg und ist wieder ganz tough. Also wieder einmal nur gespielt, eiskalt und ohne Reue..
In dieser Szene gebe ich dir Recht,doch ich finde Andie ist auf einem guten Weg und im Laufe der Staffel wird sie ja auch recht schnell wieder normal und verhält sich eben wie die normale Andie^^ ;)

castaways

Beitrag von castaways »

Eves schöpferischer Pause sei Dank!
Es geht wieder ein wenig aufwärts!
Und - wenn ich mich recht erinnere, sind auch bald die "Minutenmänner", also das nächste corpus delicti, DC-Geschichte.
Doch noch ist es nicht soweit... Jack, der Star von Mitchs und der Autoren Gnaden soll also für den ersten Sieg seit dem Jahre Schnee sorgen und die Reportage über dessen Integration in die Mannschaft Dawsons erste große Profichance sein.
Soweit das Szenario...
Tatsache ist jedoch, dass genau dieser Rahmen zu einem der bemerkenswertesten Generationenkonflikte in DC hergenommen wird.
Mitch und Dawson, die zwei zurückgelassenen Leery - Männer leben zwar im gleichen Haus, haben aber beide so viele Probleme mit sich selbst, mit der eigenen Existenz, dass sie aneinander vorbeileben, miteinander kaum kommunizieren und für einander deshalb noch weniger Verständnis aufbringen können.
Eine schwierige Situation, ohne Zweifel.
Letztlich ist es aber der Genialität beider zuzuschreiben, dass das Problem positiv gelöst wird: Das Zitat, die Legende kommt von Mitch, die kreative Umsetzung von Dawson...
Nicht umsonst wird gerade in dieser Episode so oft und so intensiv der Bezug zu Dawsons und Joeys Kindertagen hergestellt.
Bilder aus harmonischen Zeiten werden gezeigt, wo das Einverständnis zwischen Kindern und Eltern gegeben war und letzten Endes wird genau das wiederhergestellt.
Joeys Rolle in den Videos ist zwiespältig aber sehr typisch. Unentwegt schubst sie Dawson, fordert ihn heraus. Paceys etwas zynischer verbaler Beitrag in Zusammenhang mit Dawson als Herzensbrecher passt da ganz wunderbar dazu.
Die Dinge sind also in Bewegung geraten, schrittweise, aber unaufhaltsam...
Joeys Aktion, das Schuleschwänzen mit Pacey, das Abholen der "True Love" vom Postamt ^_^ ist zwar "out of character", ist in diesem Zusammenhang aber nicht mehr so offensichtlich und unpassend.
Es gibt auch für mich im Moment (leider ;) ) keinen Zweifel: Die Zeit ist reif für PJ. Die Dialoge sind peppig, das passt alles einfach im Moment gut zusammen.

Jen und Henry: Na ja, ich habe ja schon gepostet, dass ich kein unbedingter Henry Fan bin, aber zumindest dem Jen - Plot in Zusammenhang mit den Cheerleadinnen kann man sehr viel abgewinnen. Ihre Wahl zu HQ setzt jedoch der ganzen Sache die Krone auf!

Bleibt noch Andie: Mit Ergriffenheit verfolgt man ihren Monolog, den Versuch einer Entschuldigung bei Direktor Green...
Dann bröckelt ganz plötzlich die Fassade - der Schwenk hin zum Spiegel erweckt Gedanken an die traurigen Ereignisse zum Ende der 2. Staffel hin: Andie ist noch nicht wieder ganz gesund, das würde ich daraus lesen.
Diese Tatsache würde sich auch in den Gesprächen mit Jack bestärken; für den Jungen muss seine Schwester völlig von der Rolle erscheinen.

Ganz kurz noch zu den DJ Szenen: Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Dawson in dieser intim - familiären Frage Joeys Rat sucht. Das Mädchen verfälscht jedoch in einer Sache die Geschichte: Wer hat denn eigentlich wen in der finalen Szene der 2. Staffel zum Teufel geschickt?

Die Schlussszenen: So gut sie mir früher gefallen hatten, desto durchschnittlicher finde ich sie jetzt. Katie spielt nicht gut, ihr Mienenspiel ist hin und wieder übertrieben, zu erwachsen.
Die Reflexionen auf das Video scheinen nicht aus dem tiefen Inneren zu kommen.
Zur Frage, ob es gut sei, dass Dawson Joey das Video schenkt: Ja, selbstverständlich; es soll ja gewissermaßen eine Fortsetzung jener Gesten der Freundschaft und Zusammengehörigkeit sein, die ja auch die Finalszene von 3.02 so ausgezeichnet hatten.

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Schnupfen
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Beitrag von Schnupfen »

castaways hat geschrieben:Bleibt noch Andie: Mit Ergriffenheit verfolgt man ihren Monolog, den Versuch einer Entschuldigung bei Direktor Green...
Dann bröckelt ganz plötzlich die Fassade - der Schwenk hin zum Spiegel erweckt Gedanken an die traurigen Ereignisse zum Ende der 2. Staffel hin: Andie ist noch nicht wieder ganz gesund, das würde ich daraus lesen.
Diese Tatsache würde sich auch in den Gesprächen mit Jack bestärken; für den Jungen muss seine Schwester völlig von der Rolle erscheinen.
Naja, diese Verwirrtheit im Gespräch mit Jack hätte auch zu Beginn der S2 vorkommen können. Aber du hast Recht, die Spiegel-Rede und sowieso ihr derzeitiges Verhalten geben Grund zu der Annahme, dass sie noch nicht ganz gesund ist. Wobei ich da unterscheiden würde: Die Schizophrenie und Depression hat sie denke ich "auskuriert", nun befindet sie sich in der nach so etwas immer schwierigen Situation (verstärkt durch die Trennung mit Pacey) und muss alleine zurecht kommen, sie wieder einfinden, sich finden. Stabil ist sie noch nicht - tja, wann wird sie das? Ich würde sagen, in Italien erst. Interessant finde ich allerdings, dass sie nachher Ärztin wird - durchaus nachvollziehbar. Es kommt oft vor, dass Menschen, die allein nicht zurecht kommen/kamen, anderen Menschen beruflich helfen wollen, zurecht zukommen...

BTW: Wo wohnt Andie denn gerade?
Ganz kurz noch zu den DJ Szenen: Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Dawson in dieser intim - familiären Frage Joeys Rat sucht. Das Mädchen verfälscht jedoch in einer Sache die Geschichte: Wer hat denn eigentlich wen in der finalen Szene der 2. Staffel zum Teufel geschickt?
Stimmt, sie sagt ja: "What else are dumped ex-girlfriends for?" Ha, erwischt.
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Beitrag von **Glory** »

Schnupfen hat geschrieben:BTW: Wo wohnt Andie denn gerade?
Ich denke mal sie wohnt bei ihrem Vater in dem Großen Haus...!
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Vielen Dank an Miss P. fürs Set
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Schnupfen
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Beitrag von Schnupfen »

**Glory** hat geschrieben:
Schnupfen hat geschrieben:BTW: Wo wohnt Andie denn gerade?
Ich denke mal sie wohnt bei ihrem Vater in dem Großen Haus...!
Ja, ist das einzig mögliche. Allerdings wird sie dort, wenn die Situation bei ihrem Vater so ist wie in S2, ja die meiste Zeit alleine wohnen... Was ist merkwürdig finde - für jemand, der psychische Probleme hatte. Und merkwürdig, da Jack bei Jen bleibt.
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castaways

Beitrag von castaways »

Es ist tatsächlich sehr merkwürdig, aber ich bin auch sicher, dass Andie bei ihrem Dad in ihrem Haus wohnt.
Dieser Plot erscheint überhaupt ein wenig undurchschaubar. Andies Mutter gibt es nicht mehr, es wird auch nicht mehr über sie gesprochen.
Die ganze Lage ändert sich aber dann gegen Mitte der 3. Staffel, wo ja Jack eben wegen Andies Einsamkeit wieder in sein Elternhaus einzieht. (3.12 "A weekend in the country"- "Luftschlösser")

schnupfen hat sicher recht - es ist unlogisch, dass ein psychisch rekonvaleszenter und durchaus noch labiler Mensch so alleine gelassen wird.
Das ist vielleicht auch ein Hauptgrund für Andies Verhalten...

Joe B.

Beitrag von Joe B. »

Paceys Auftritt mit dem Commodore 64 und dem BetaMax-Player erinnert uns – wie so oft in DC - mal wieder an die 80er Jahre, die in dieser Folge noch öfter beschworen werden. So auch in den alten Videoaufnahmen, die einen 5 Jahre alten Dawson zeigen. Der Kleine ist beim Footballspielen mit Mitch zu sehen. Durch den Hinweis auf den Ballsport wird der Vater-Sohn-Plot dieser Episode initiiert. Viel wichtiger ist aber, dass auf den alten Videos der magic moment zu sehen ist, der uns zeigt, wie, wo und wann sich Dawson und Joey kennenlernten. Dies bildet die emotionale Klammer der Folge und wird konsequenterweise am Ende wieder aufgenommen.

Sowohl Dawson, als auch Andie, stehen in DAS GROSSE SPIEL vor einem moralischen Dilemma. Dawson produziert einen TV-Beitrag über Capesides neuen Spitzensportler Jack und stellt sich somit gegen seinen Vater. Andie wiederum hat unter den Nachwirkungen ihrer Tat aus der letzten Folge zu kämpfen – dem Betrug beim PSAT. Thema des Dawson- und Andie-Plot sind Gewissensfragen.

Dawsons Berufung zum Filmemacher, der einen professionellen Beitrag für die Lokalnachrichten produzieren darf, kommt ein wenig unglaubwürdig daher. Er hatte zwar schon einmal in # 111 PRETTY WOMAN die Gelegenheit dazu, hier wirkt der Karriereschub allerdings ziemlich konstruiert. Nichtsdestotrotz wird damit ein ziemlich spannender Handlungsfaden eingeleitet, der die unvereinbaren Gegensätze von Vater und Sohn Leery thematisert. Obwohl Mitch auf Dawson einwirkt, er solle die Finger davon lassen, um den Gegner keine Informationen über die Stärke seines Teams zu liefern, entscheidet sich Dawson dagegen. Zuvor holt er sich allerdings noch Rat bei Joey ein. Dawson zeigt hohes Einfühlungsvermögen gegenüber seinem Dad, indem er die Palette seiner gescheiterten Projekte und Tiefschläge aufzählt (u.a. das nicht verwirklichte Restaurant, der Ehebruch seiner Frau). Es geht hier also nicht nur um Sieg oder Niederlage bei einem Footballspiel, sondern auf persönlicher Ebene vielmehr um Mitchs Selbstachtung. Genau diese Gabe zur Empathie zeichnet Dawson aus. Joey betrachtet die Sache aus einer objektiven Haltung heraus: „Nimm es, wie es ist. Das ist der Stoff, aus dem griechische Dramen sind.“ Joey zieht ihren eigenen Vater-Konflikt heran, um Dawson auf die Sprünge zu helfen, bevor sie mal wieder einen psychoanalytischen Vergleich anstrebt. Dawson: „Oh Gott, es ist so wichtig für mich, aber es bringt ihn um.“ Joey: „Ich sage es dir nur ungern, Dawson. Aber laut Freud ist es genau das, was Söhne tun müssen.“ Was meint sie nun damit? Soll er seinem Vater sinnbildlich den Dolch in den Rücken stoßen? Oder soll er sich vielmehr von seinem Vater abwenden und eine gegen ihn gerichtete Entscheidung treffen, die ihm selbst zugute kommt? Soweit ich mich erinnern kann, habt ihr im Verlauf der zweiten Staffel einmal ausgiebig über Dawsons Loslösungprozess von Mitch diskutiert. Das Dawson erst dann zu einem vollständigen Menschen werden kann, wenn er aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters heraustritt. Ich denke, genau dieser Emanzipationsgedanke wird auch hier bedient. Nun stellt sich nur noch die Frage, wie wird Mitch auf diesen entscheidenden Schritt Dawsons auf dem Weg zur Mann-Werdung reagieren?

Erwartungsgemäß ist Mitch völlig von den Socken. Als er Dawsons Beitrag über Jack noch vor dem Spiel im Fernseher sieht, reagiert er zuerst einmal fassungslos. Man sieht Dawson an, dass er selbst stolz ist und von seinem Vater das gleiche erwartet. Mitchs Antwort zieht ihm den Teppich unter den Füßen weg: „Ich habe gerade mein erstes Spiel als Trainer verloren.“ Hier machen sich seine ganze Frustration, seine Enttäuschung und seine Wut über den Widerstand seines Sohnes bemerkbar. Es geht schon lange nicht mehr nur um Football, sondern es geht um Loyalität und nicht zuletzt auch um Erziehungsfragen. Mitch stellt sich die Frage, was er falsch gemacht haben könnte, dass ihn sein Sohn einen derartigen „Verrat“ zumutet. Dawson leitet zur Grundsatzproblematik ihres gegenwärtig angeschlagenen Vertrauensverhältnisses über. Er wirft Mitch vor, dass er nicht mehr mit ihm spricht. Seit Mitch für „seine“ Jungs den Trainier gibt, spielt sein eigener Junge nur noch die zweite Geige. Vernachlässigung, mangelnder Respekt und fehlendes Verständnis füreinander werden debatiert. Interessant ist, dass die Argumente beider gleich stark sind. Man kann sowohl Dawson, als auch Mitch verstehen. Das rührt daher, dass Dawson für Mitch wie ein Spiegel funktioniert. Und genauso umgekehrt. Beide sind einander ähnlicher, als sie eigentlich wahrhaben wollen und deshalb scheint es so, als führen sie geradezu einen Kampf mit ihrem anderen Ich. Das wird auch in Dawsons Spruch „Ich komme mir vor wie dein Vater“ deutlich. Auf einer derartigen Basis kann es keinen Sieger, sondern nur ein Unentschieden geben. Entsprechend wird auch keine Lösung gefunden, sondern die Meinungsverschiedenheiten in der Schwebe gehalten.

Als das Football-Match dann ausgetragen wird, sieht Dawson seinen Fehler ein. Jack wird von den Gegnern regelrecht massakriert und die Minute Men fallen in Rückstand. Clever, wie Dawson ist, fällt ihm aber auch eine Möglichkeit ein, wie das verloren geglaubte Spiel dennoch umgedreht werden kann. Sein Auftritt in der Kabine wirkt etwas befremdlich. Auch wenn er der Sohn des Trainers ist, so ist sein Einmischen in die Strategiebesprechung Mitchs doch arg vorlaut und aufgesetzt. Unglaubwürdig, dass ihn Mitch nicht sofort rauswirft, sondern sich stattdessen belehren lässt, wie man irgendwelchen chinesischen Kriegsherren nacheifern kann. Wie dem auch sei, die „Tunten“-Taktik geht auf, die Gegner werden irritiert und die unterlegenen Minute Men triumphieren in letzter Sekunde doch noch. Da hier der sonst so verbissen betriebende Highschool-Sport der Lächerlichkeit preisgegeben wird, amüsiert man sich aber doch noch einigermaßen.

Nach dieser unerwarteten Wende findet der Vater-Sohn-Konflikt ein versöhnliches Ende. Als Mitch Dawson gesteht, wie seine Empfindungen am Tag seiner Geburt waren, wird auch endlich wieder der Emotion Ausdruck verlieren. Jeder Vater unter uns, aber auch jede Mutter, werden Mitchs Worte 1:1 nachempfinden können. Mitch findet nun auch wieder zum Stolz auf seinen Sohn zurück. Und nicht nur das. Hier kommt auch wieder das liberale Weltbild der DC-Macher zum Vorschein. In punkto Erziehung hatte sich Mitch stets als vorbildlicher Mentor bewiesen. Nicht Strenge und Autorität, sondern Verständnis und lockere Zügel haben seinen Erziehungsstil geprägt. Die Erkenntnis, dass sein Sohn nicht nur ein Teil von ihm selbst, sondern ein eigenständiger Mensch ist. Dem man genauso seinen Freiraum und seine eigenen Entscheidungen zuerkennen muss. Mitch wird hier sehr menschlich dargestellt, weil er eben nicht der perfekte Übervater ist, sondern eingesteht, dass auch er seine Schwächen und Fehler hat: „Ich glaube, heute ist mir etwas klargeworden. Dass es nicht meine Aufgabe als Vater ist, dir das vollständige Bild zu vermitteln. Denn in Wahrheit sehe ich das selbst nicht. Meine Aufgabe ist es, zu versuchen, dir hin und wieder mit einem Stück des Puzzles auszuhelfen.“ Mitch weiß nun, dass er Dawson bei seiner Selbstentfaltung durch kleine Motivationsschübe antreiben, aber nicht aus Eigennutz einbremsen soll. „Deine Zukunft, deine Erwartungen gehören nun mal dir. Lass nicht zu, dass sich dir jemand in den Weg stellt. Nicht mal ich.“ Trainer Leery zeigt sich hier von seiner großzügigsten und menschlichsten Seite. Genau die bringt ihm den Respekt und die Liebe seines Sohnes wieder zurück. Daher fällt es Dawson nicht schwer, Worte zu finden, die auch die zuvor angeknackste Selbstachtung seines Vaters stärken: „Du hast mich immer gedrängt, ein eigener Mensch zu sein, eine eigene Meinung zu haben. Ich habe getan, was du mir beigebracht hast.“ Nachdem sich beide wieder zusammengerauft haben, wird mit der Entscheidung, sich gemeinsam einen Spielberg-Streifen anzusehen, anstatt sich ein paar Bälle zuzuwerfen, ein optimaler harmonischer Abschluss für diesen krisenreichen Plot gefunden.

Zu Andie: Nach dem selten dämlich inszenierten Zusammenprall mit dem Vertreter der Schulbehörde wird Andies schlechtes Gewissen geweckt. Diese Szene erinnert an den College-Film CLASS aus den Eighties, in der ebenfalls ein Schnüffler der Schulbehörde für mächtigen Wirbel unter den „verdorbenen“ Schülern sorgte. Andies Verhalten wirkt hier völlig unnatürlich und an den Haaren herbeigezogen. Die Umstände, die das spätere Missverständnis einleiten, sollen den Zuschauer – wie auch Andie – an der Nase herumführen. Ihr Ausdruck, sie wolle „Defäkation“ leisten, hat bei mir zuerst Unverständnis erzeugt, da ich den Begriff nicht kannte. Als ich im Duden nachgeschlagen habe, musste ich doch noch lachen, bedeutet das doch „Stuhlentleerung“. Diese Wortspielchen haben ihren Ursprung wohl noch in der letzten Folge, als die Schüler als Vorbereitung auf den Test Synonyme durchexerzierten. Ansonsten ist der Dialog dieser Szene total aufgesetzt, weil sich Andie wie aus dem Nichts heraus auf potentielle Schuldzuweisungen und unplausible Entschuldigungen einlässt. Der gesamte Plot um Andie stolpert unbeholfen und phrasenhaft vor sich hin und wirkt über weite Strecken überflüssig. Daher sticht diese eine Szene völlig heraus, als Andie in einem Close Up Reue zeigt. Da man die Umgebung nicht sieht, wird man auf eine falsche Fährte gelockt. Es sieht beinahe danach aus, als würde sich Andie wahrhaftig entschuldigen. Die Szene wirkt deshalb so außergewöhnlich, weil sie aus einer einzigen Einstellung besteht, die in einer langsamen 90-Grad-Fahrt eingefangen wird. Umso größer das Erstaunen, als sich dann herausstellt, dass Andie nur vor dem Spiegel geübt hat. Eine dankbare Aufgabe für Meredith Monroe, hat sie hier doch Zeit, auszuholen und aus dem Vollen zu schöpfen. Brillant gespielt. Einige von euch haben ja bereits festgestellt, dass Andie hier völlig kalt und berechnend ist. Ich würde sogar sagen, sie ist falsch. Ohne mit der Wimper zu zucken, zeigt sie verabscheuungswürdige Verhaltensweisen. Die Andie der dritten Staffel ist sich wirklich für keine Sauerei zu schade. In der nächsten Folge geht sie sogar noch einen Schritt weiter und schadet Mitmenschen durch Verleumdung. Hier will sie eigentlich nur ihren Kopf aus der Schlinge retten. Tatsächlich meint sie ihre Entschuldigung aber gar nicht ernst, sondern heuchelt nur. Wenn auch überaus überzeugend. Ihr groß angelegter, unechter Gewissenskonflikt wird dann ziemlich banal aufgelöst, als Direktor Greene ihr schließlich am Schluss ihre Besorgnis nimmt. Für mich ist Andie an dieser Stelle der Serie menschlich total unten. Ein Charakterschwein, deren Verhalten gerade deshalb so abstoßend wirkt, weil die anderen Figuren ja immer noch die Latte von moralischen Anstand ganz hoch halten. Und natürlich auch deswegen, weil man Andie aus der letzten Staffel als völlig anderen Menschen in Erinnerung hatte. Dennoch erscheint sie mir nicht out of character. Das, was ihr in den Sommerferien widerfahren ist, hat sie – zumindest an der Oberfläche – in einen versehrten Charakter verwandelt. Tief in ihrem Inneren ist sie aber noch immer ein „guter“ Mensch. Dorthin zurückzufinden, wird eben ein Weilchen dauern. Und uns mit weiteren Verhaltensausfällen ihrer Person konfrontieren. Was dem Konfliktpotential der Serie ja auch nicht schaden kann.

Auf die Jen-und Henry-Nummer will ich nicht weiter eingehen. Henry wirkt auf mich auf der einen Seite wie ein notgeiler triebgesteuerter Teenie, der nur noch Jens Brüste vor Augen hat. Auf der anderen Seite gibt er immer absolut überzogene poetische Verse von sich. Wie ein Romantiker aus dem vorvergangenen Jahrhundert. Sorry, aber diese Diskrepanz wirkt auf mich einfach nur peinlich und lachhaft. Deshalb kann ich diesem langatmigen und gestelzten Henry-erobert-Jen-Plot einfach nichts abgewinnen. Daher hier lieber kein Kommentar.

Da gehe ich doch lieber zum zentralen Handlungsbogen über, der die dritte Staffel – ähnlich wie die erste – in ein zusaammenhängendes Epos verwandelt. Ich rede natürlich vom PJ-Plot. In dieser Folge wird er ja um einige Schritte weiter entwickelt. Wir sind nun deutlich über den Pacey-erweist-Dawson-einen-Gefallen-Hintergrund hinaus und treten in die Phase über, in der Pacey seine Freundschaft (Beziehung will ich an dieser Stelle noch nicht sagen) zu Joey aus eigenem Antrieb heraus vorantreibt.

Die PJ-Story ist mittlerweile auf klassischem Screwball Comedy-Terrain angekommen. Dieses beliebte Genre wird in DAS GROSSE SPIEL immer wieder zitiert. In Screwball Comedies geht es meist um das „Was sich liebt, das neckt sich“-Motiv. Also um eine Frau und einen Mann, die sich andauernd bekriegen und scharfzüngige Wortgefechte abliefern. In diesen Filmen, die vor allem in den 30ern und 40ern sehr populär waren, sind es meist die weiblichen Figuren, die die stärkere und dominante Rolle ausfüllen. Der Mann ist ein Screwball, ein „Wirrkopf“. Vor allem Cary Grant (z.B. in LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT) oder später Rock Hudson (in den Komödien mit Doris Day) galten als Meister dieses Rollenfachs. Es soll der Eindruck entstehen, als könnte sich das streitlustige Paar nicht leiden. Letztlich zeigt sich aber, dass sie ineinander verliebt sind. Das Verhältnis von Pacey und Joey war stets von Konflikten und Frotzeleien gekennzeichnet. Unterschwellig hat man sie meist als Kumpels wahrgenommen. Darüberhinaus waren aber nicht unbedingt tiefere Gefühle zu erkennen (auch nicht in # 110 GELIEBTE FEINDIN). Wie die beiden zueinander stehen, das wird sich in den nächsten Folgen erheblich wandeln.

In ihrer ersten gemeinsamen Szene verfolgt Pacey Joey über den Schulkorridor hinter dem Minute-Men-Aufsteller. Ein spielerisches, kindliches Lausbuben-Verhalten. In der deutschen Übersetzung nennt er sie „Scarlett“ (O´Hara aus VOM WINDE VERWEHT), im Original „Scully“ (aus AKTE X). Zwei Figuren, die einen starken männlichen Partner an ihrer Seite haben. Und das will Pacey nun auch für Joey sein. Er bittet sie, ihn beim Schuleschwänzen zu begleiten. Pacey bleibt seinem (schau-)spielerischen Verhalten treu und spricht anschließend mit französischen Akzent. Er ist und bleibt einfach ein Entertainer. Diese Masche hat er übrigens immer wieder drauf, wenn es darum geht, eine Frau anzubaggern. Humor zahlt sich seiner Ansicht nach beim weiblichen Geschlecht eben aus. Entsprechend lustig ist auch der turning point gestaltet, als sich Joey spontan dazu entscheidet (allerdings aus unerklärlicher Motivation heraus), mit ihm mitzugehen.

In der nächsten Szene befinden sich die beiden on the road. Pacey hatte zuvor ein Päckchen unbekannten Inhalts von der Post abgeholt. Nun sind sie irgendwo im Nirgendwo. Die beiden werfen sich unermüdlich Flapsigkeiten an den Kopf, bis Pacey die Idee kommt, auf Anhalter zu machen. Dies ist als Hommage an den Screwball-Klassiker ES GESCHAH IN EINER NACHT von Frank Capra aus dem Jahre 1934 gedacht, in dem Claudette Colbert und Clark Gable das streitlustige Anhalter-Pärchen spielten. Auf die legendäre Variante des Bein-Rausstreckens will sich Joey im Gegensatz zu Claudette Colbert allerdings nicht einlassen. War es dort die sexy Tour, mit der die Heldin eine Mitfahrmöglichkeit einheimste, ist es in DER VOLLTREFFER die Vorspielung einer Schwangerschaft. Der von Pacey zitierte Rob Reiner-Film von 1985 ist ebenfalls dem Screwball-Genre zuzurechnen und gilt unter Vertretern meiner Generation als absoluter Kultfilm, nicht zuletzt wegen eines genial aufspielenden John Cusack. Kein Wunder, dass DER VOLLTREFFER in DC erwähnt wird (später in # 521 IM DUNKEL DER NACHT wird sich Dawson auch noch über Rob Reiners Debutfilm THIS IS SPINAL TAP zum Ärger Joeys halbtot lachen). Pacey als alter Ego von John Cusack vermittelt Joey, dass sie bessere Chancen hat, einen Wagen anzuhalten, als er. Nachdem sich Pacey einen extrem komischen Abflug hinter die Hecke geleistet hat, versucht Joey ihr Glück. Unglücklicherweise ist es Direktor Greene, der just in diesem Moment vorfährt. Als Pacey ihr Pech realisiert, versucht er geistesgegenwärtig eine Ausrede anzubringen. Bei der frontalen Halbtotale fällt auf, dass man links Pacey und Joey sieht, rechts steht das Auto. Im ursprünglichen 16:9-Format hätte man auch Direktor Greene hinter dem Steuer und dessen Reaktion sehen können. Hier zeigt sich mal wieder, wie unzureichend das 4:3-Format ist.

Nach dieser sehr lustigen Sequenz erwartet die beiden Ausreißer in Direktor Greenes Büro eine „kreative“ Strafe für ihren Freiheitsdrang. Die beiden Hitzköpfe Joey und Pacey setzen ihren Disput in Anwesenheit Greenes fort, was überaus vergnüglich ist. Schließlich offenbart ihnen der äußerst humane Rektor, wie sie Wiedergutmachung leisten können. Nachdem er einen Karton geöffnet hat, sehen wir die ablehnende Reaktion der zwei Schüler, erhalten aber keinen Einblick, welcher Inhalt sich darin befindet. Dadurch wird die Pointe noch stärker aufgebaut. In der nächsten Szene wird klar: sie müssen als Maskottchen in Gestalt eines Esels am Sportereignis in Erscheinung treten. Joey ist stinksauer, macht sie doch Pacey für diese demütigende Strafe verantwortlich. Die beiden streiten sich nun, wer vorne und wer hinten sein darf. Unabhängig von diversen sexuellen Anspielungen fühlt man sich auch an den Pilotfilm erinnert, als Joey Pacey vorwarf, er hätte ihren Hintern begrapscht und dieser konterte, dass sie gar keinen habe. Nun wirft sich Pacey zwar flehend an Joeys Hinterteil, zugleich fordert er aber, das gleiche nicht im Kostüm tun zu müssen. Da er vorgibt, im Auto hinten kotzen zu müssen, hat Joey ein Einsehen und lässt ihm den Vor-Tritt. Und stülpt ihm prompt den Eselskopf über. Diese Szene steckt im Subtext voller Zweideutigkeiten und macht enormen Spaß.

Nach dem Spiel wird klar, dass sich die beiden Streithähne rechtzeitig vor der Schmach retten konnten. Sie haben zwei Dumme gefunden, die ihnen den Job abgenommen haben. Pacey bringt Joey stattdessen zu seinem neu erworbenen Segelboot, das momentan noch keinen sonderlich seetüchtigen Eindruck macht. Aber Pacey sieht über die brüchige Fassade hinweg und erkennt in dem Wrack ein Symbol von Freiheit und Unabhängigkeit. Nun zeigt er Joey auch den Inhalt des Päckchens, das er die ganze Zeit über bei sich getragen hatte. Darin befindet sich ein Namensschild für sein neues schwimmendes Unterteil. Nicht zufällig lautet der Name „True Love“. Mit diesem Namen werden nun mehrere Ebenen bedient. Einerseits handelt es sich dabei erneut um ein Filmzitat. „True Love“ ist der Name des Bootes, das in DIE OBEREN ZEHNTAUSEND von 1956 eine erhebliche Rolle spielt. Dieser Film ist wiederum ein Remake von DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT von 1940 mit Cary Grant, James Stewart und Katherine Hepburn, einem Paradebeispiel der Screwball Comedy. Beide Filme erzählen im Prinzip Dreiecksgeschichten. In DIE OBEREN ZEHNTAUSEND kämpfen Frank Sinatra und Bing Crosby um die Gunst von Grace Kelly. In einer an Kitsch kaum zu überbietenden Szene (was Pacey auch explizit anspricht: „ziemlich hoch auf der Kitsch-Skala“) singen Bing Crosby und Grace Kelly bei einem Segeltörn auf der True Love das gleichbetitelte Lied. Im Gegensatz zum Ending der dritten Staffel von DC entscheidet sich Grace Kelly allerdings gegen den Neuen und bleibt bei ihrem ersten Lover. Indem Pacey sein Boot also dementsprechend benennt, wird (zumindest bei Leuten, die den Ursprung erkennen) die Erwartungshaltung erzeugt, dass sich Joey im Falle einer Wahl für ihre ursprüngliche Liebe (sprich: für Dawson) entscheiden würde (während Pacey leer ausgeht). Aber soweit sind wir ja noch nicht. Hier wird zuerst einfach nur ein Boot mit einem symptomatischen Namen eingeführt. Auf der Meta-Ebene wird aber bereits deutlich gemacht, dass die wahre Liebe nicht nur ein Boot ist, sondern der zentrale Konflikt, der die dritte Staffel mitsamt ihrer dramatisch erzählten Dreiecksgeschichte durcheinanderwirbeln wird. Dieses vielschichtige Erzählen hat man lange Zeit in DC vermisst. Endlich findet die Serie wieder zu ihrer alten Qualität zurück (naja, die nächste Folge, und teilweise auch die übernächste, sind dann doch wieder ziemlich daneben).

Hier stellt sich vielleicht die Frage, wie das Verhältnis/die Beziehung/die Freundschaftskiste zwischen Joey und Pacey bis dato definiert werden kann. Warum bittet Pacey Joey darum, ihn beim Schuleschwänzen zu begleiten und mit ihm zum Boot zu kommen? Man könnte sagen, dass er ihre Hilfe beim Schleifen benötigt. Oder aber: er ist mittlerweile einfach gern mit ihr zusammen. In # 302 hieß es, Joey habe ihn darum gebeten, ihn zu Andie in die Anstalt begleiten zu dürfen. Es ist also so, dass inzwischen beide aufeinander zugehen. Sie sind sich sympathisch, sie mögen sich und verbringen deshalb auch gerne ihre Zeit miteinander. Da sie sich dabei ständig streiten, könnte man ihnen eine sadistische Freude beim Provozieren des anderen unterstellen. Was auch immer die Gründe für ihre gegenwärtige Nähe sind – meiner Ansicht nach sind das rein freundschaftliche Impulse. Von Verliebtsein oder Zuneigung ist in diesem Stadium noch nichts zu bemerken. Dies wird auch nicht als großer Knall oder als Erkenntnismoment ausgespielt. Die Gefühle werden vielmehr unterschwellig wachsen, bis sie langsam an die Oberfläche dringen. Es wird aber spannend, in den nächsten Folgen auf die ersten Hinweise zu achten, dass sich (zumindest bei einem von beiden) bald etwas ändern wird.

Die Schlussszene wird durch einen Match Cut eingeleitet, der ein Zitat auf den berühmten Schnitt in Stanley Kubricks 2001 – ODYSEE IM WELTRAUM ist. Dort wird von einem Urmenschen ein Knochen in die Luft geschleudert und verwandelt sich – Schnitt – in ein Raumschiff. Hier wirft Mitch den Football hoch und – Schnitt – wird die Zeit zurückgedreht und wir sehen einen Football in der Vergangenheit. Die Handlung wechselt nun wieder über zu den Videoaufnahmen vom Anfang. Joey betrachtet das Geschenk, das ihr Dawson gemacht hat. Ein stimmungsvoller und zugleich sehr ambivalenter Wechsel. Soeben war Joey noch bei Pacey auf der „True Love“, dem Symbol künftiger emotionaler Entwicklungen, nun ist sie vor dem Video, das die alte gemeinsame Zeit mit ihrer wirklich wahren Liebe Dawson einfängt. Ganz klar – Joey wird hier in einer eigentlich sentimentalen Szene in ein Spannungsfeld gerückt, dass in naher Zukunft noch für erhebliches Leid sorgen wird. Ganz große Klasse.
Zuletzt geändert von Joe B. am 26.10.2006, 13:14, insgesamt 1-mal geändert.

castaways

Beitrag von castaways »

@ Joe B

Natürlich sprichst Du mir aus der Seele, was Deine Analysen zum Vater - Sohn Konflikt betrifft.
Eine ähnliche Konfliktsituation erleben wir ja dann in der "Coda"der Staffel 4 auch.
Und - wie bereits zu einem anderen Zeitpunkt intensiv diskutiert - folgen die Konfliktlösungsansätze zwischen den Generationen immer dem gleichen Muster. Der "Alte" ist emotional angeschlagen, will es aber nicht zugeben; der "Junge" provoziert; der "Alte" reagiert über und ist zu Tode beleidigt. Dann vergeht eine gewisse Zeit, der "Alte" beruhigt sich, denkt nach. Beide haben letztlich ein gemeinsames Lösungsgespräch, wobei es keinen Sieger gibt.
So sollten Konflikte eigentlich generell ausgetragen werden...

Es ist auch ein Grund für meine Begeisterung für DC, dass ich mich natürlich oft und oft in der Vaterrolle, in Mitchs Rolle sehe. Kunststück, mein Sohn ist ja auch gerade 18 Jahre alt, wohnt unter meinem Dach, hat gerade sein Studium begonnen und auch ich kenne natürlich derlei Konflikte ganz genau.
Imer wieder versuche ich auch aus diesen Gründen DC meiner Generation nahezubringen und hin und wieder habe ich sogar durchaus Erfolg damit.
Nur, je älter mein eigener Sohn wird, desto mehr öffne ich mich den bei Vielen so ungeschätzten, ja nahezu verachteten späten Staffeln.
Ob das Zufall ist, oder einfach nur der Spiegel des eigenen Lebens?

Ein Wort noch, Joe B.:
Deine cineastischen Kenntnisse sind für mich einfach unglaublich und ich muss in diesem Zusammenhang zugeben, dass sie mich manchmal überfordern, was sehr schade ist, denn mit Deinen diesbezüglichen Kenntnissen würde sich auch für mich ein weiteres großes subtext - bezogenes Kapitel in DC eröffnen...

ForVanAngel

Re: Eure Meinung zu #3.04 Das große Spiel

Beitrag von ForVanAngel »

Dawson’s Creek stand bisher (also S1-2) für eine dramatische Teenieserie. Und das hat mir ausgezeichnet gefallen. Jetzt war Folge 3 dran – und ich frage mich leise: Was kommt denn jetzt? Dawson + Eve = Okay! Andie = ? Jen wohl mit Henry, Jack = ewiger Footballer? Pacey = ?, Joey = ?. Mitch ist Lehrer, Gale unterwegs, die Grandma auch nicht wirklich wichtig – was jetzt? Irgendwie ist mir alles zu glücklich, ich ahne irgendwas Schlimmes anrollen…


Sehr schmalzig – aber total schön war das Video vom Kennenlernen zw. der kleinen Joey und Dawson. :up: Bin mal gespannt, wie Jack es gefällt, dass Dawson eine Art Reportage über ihn dreht – und Gale das ganze ausstrahlen will. Scheinbar kein Problem. Ein wichtiges Football-Spiel steht an – ich mag den Sportfaktor, gefiel mir schon in One Tree Hill gut. Ebenso interessant der Dawson-Mitch Konflikt, weil der was gegen ein Video hat – seine Spieler müssen konzentriert bleiben. Tolles Gespräch mit Joey, ich hatte wegen dieser nervigen Eve (die uns heute zu verschonen scheint) schon geglaubt, da wären jetzt nur noch böse Blicke – zum Glück nicht. War toll, wie Joey den Fall mit ihrem Vater andeutete, Dawson hat zB in Folge 1 das Boot seines Vaters gestohlen – nichts passiert! Hingegen musste Joey im S2 Finale ihren Vater wegsperren lassen. Dawson steht genau in der Mitte: Wenn er Glück hat geht sein Video parallel zum Spiel – wenn nicht ist Mitch mächtig sauer und Dawson’s Hobby/Berufung wird immer mit diesem negativen Gefühl assoziiert sein. Gott sei Dank gab’s diese (zugegeben fast schon übertrieben aufgebauschte) Storyline, sonst wäre die Folge in Friede, Freude und Footballgame erstickt. Video wird gesendet, die Geheimwaffe Jack McPhee enttarnt, Mitch ist sauer, Dawson wirft ihm vor, sein Footballteam hätte seine Wunschsöhne und dass er kaum mehr zeit für ihn habe. Interessant. Auch wenn ich jetzt nicht wirklich sagen kann, ob Dawson’s Vorwürfe richtig sind, tat es weh, Jack da so niedergeräumt zu sehen – schwul und geheimer Superstar – war klar. War cool, wie Dawson dann eine Taktik einbringt – sich so quasi bei seinem Dad für die harten (und wohl auch teils unfairen) Worte entschuldigt. War zwar sehr vorhersehbar, dass Jack den entscheidenden Touchdown macht – aber diesen Moment möchte ich echt nicht missen, tat wirklich gut – nicht nur Mitch, Dawson u. Jack.

Henry steht immer noch auf Jen, kann ihn aber verstehen, warum er ein bisschen Respekt vor Jen hat, er kennt wohl nur die Staffel 1-2 Jen, die hätte ich auch nicht unbedingt angeredet. :D Die will diese Girl-Toy-Auction nicht machen. Also eigentlich geht’s um einen Kuss, witzig, wie Jen da im Bett liegend von ihren Cheerleaderinnen genötigt wird – etwas überraschend hat die sonst so konservative Evelyn kein Problem damit – denn der 500 $ Kuss ist für Waisenkinder. :D Zumindest ist sie mal weg vom Cheerleaderteam. Henry it is of course, und der kriegt dann wohl seinen Kuss – hach, wie sympathisch Jen sein kann, unfassbar, wie sehr ich sie teils erwürgen wollte, wie schlimm sie letzte Staffel drauf war – und dann so was. :)

Uh, es tut weh zu sehen, wie meine geliebte Andie da gerade verheizt wird. :( Sie trifft einen ETS-Typen, der was mit den Precollegue-Tests zu tun hatte. Hm, wäre eine billige Möglichkeit, Andie über den Jordan zu schicken, da man sie schon mit Pacey auseinander gebracht hat, was ich bisher niemandem übel genommen hatte, aber was ist ihr Ziel? Ich fand ihr übertriebenes Geständnis fast schon zum Fremdschämen. War völlig harmlos – was man sich denken durfte. Sie kommt in ein Komitee – immerhin etwas. ;)

Ja, und um was geht’s gerade bei Joey und Pacey, die sich illegal von der Schule entfernen und zufällig von Principal Green gefunden werden? Glaube nicht viel. Ich denke da wird schon für die Zukunft geplant: Jack u. Pacey – und Dawson scheint sich ja mit Jen toll zu verstehen. Mir würden hier 2 wirklich nur Freundschaft extrem gut gefallen, denn das mit den Liebschaften wäre vorerst zu viel. Richtig geil finde ich die Idee mit Pacey’s Boot! :)

Genialer Schluss mit der Versöhnung von Dawson und Mitch und natürlich Joey mit dem Video, das war einfach nur WOW, und Gott sei Dank wurde der Song (Jude mit „I Do“) nicht geändert, der war sein Geld auch wert! :anbet:


Fazit: „Das große Spiel“ lautet dieser Episodentitel! Hm, DC spielt für mich nicht, die nehmen sich ernst! Namen sich 35 Folgen lang ernst. Und das war einfach super! Letztendlich war diese Folge doch gut, auch wenn es so gegen Folgenmitte noch nicht ganz danach aussah, aber dafür war der Schluss zu gut und wirklich stören tut mich ja nicht viel, aber irgendwie ist es nicht das Dawson’s Creek der ersten beiden Staffeln, hat was mit Everwood gemein, da war S3 auch seltsam im Vergleich. Dawson vs. Mitch vs. The Video war sehr interessant, Vater-Sohn-Konflikt – mag ich (zB Everwood)! Das war leider der einzige echte Höhepunkt – natürlich das Spiel an sich aus diesem Blickwinkel natürlich auch, das gefiel mir! Und der Rest? Während Jack am Feld plattgemacht wurde, durfte sich seine Schwester schon wieder in ihrer völlig abgesonderten Welt mit dem blöden Test rumschlagen – ich denke sie macht es nicht mehr lange, mein einstiger DC-Liebling war für mich nicht mehr als ein Gähnen wert. Pacey u. Joey wirkte zwar etwas gestellt, dafür war der Schluss mit dem Boot einfach wunderschön. Jen mit dem Kuss war so weit nett, am Ende dann auch irgendwie süß. Insgesamt knapp eine gute Folge, aber wenn ich dran denke, was DC kann, bin ich nicht ganz zufrieden, treibt derzeit trotz vorhandener Qualität etwas abseits vom gewohnten Kurs dahin. 4 Punkte.

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